3. Teil: Die Saphire
- 1: 1. Teil: Wünschen ist nicht immer einfach.
- 2: 2. Teil: Freundschaft ist keine Frage der Zeit.
- 3: 3. Teil: Die Saphire.
- 3.1: Prolog.
- 3.2: 1 - Der Rat der Saphire.
- 3.3: 2 - Annalina.
- 3.4: 3 - Leon.
- 3.5: 4 - Manawa.
- 3.6: 5 - Das Schweigen.
- 3.7: 6 - Quinns Auftrag.
- 3.8: 7 - Sophie.
- 3.9: 8 - Begegnungen.
- 3.10: 9 - Salz.
- 3.11: 10 - Hogan.
- 3.12: 11 - Hank.
- 3.13: 12 - Die Zeichnung.
- 3.14: 13 - Ari.
- 3.15: 14 - Showdown.
- 3.16: 15 - Die Schlucht.
- 3.17: 16 - Nachwirkungen.
- 3.18: 17 - Verloren.
- 3.19: 18 - Das Amulett.
- 3.20: 19 - Sherrys Entschluss.
- 3.21: 20 - Tüte.
- 3.22: 21 - Freunde.
- 3.23: 22 - Yax.
- 3.24: 23 - Abschiede.
- 3.25: 24 - Helden.
- 3.26: Epilog.
Prolog
Stell dir vor, du bist an dem wunderschönsten Ort, den du dir denken kannst. Male dir diesen Ort in den üppigsten Farben, höre die lieblichen Geräusche, rieche die Luft, spüre die Temperatur. Stell dir vor, dieser Ort ist weit ab von allem, voller Frieden und Freiheit. Alles ist Wohlgefühl und leises Lachen und deine Seele schwebt und summt vor Glück ein Lied.
Genau so ist es, wenn man in die Welle kommt.
Die Welle ist der Ort, wo alle Tiere hin gehen, wenn ihre Zeit auf der Erde zu Ende ist. Für jedes Tier ist die Welle gerade so, wie es sich den schönsten Ort der Welt vorstellt. Es ist ein Ort des Friedens und der Heilung und jedes Tier, das neu ankommt, wird freundlich und liebevoll aufgenommen. Es gibt auf der ganzen Welt keine Krankheit, die die Welle nicht heilen und keinen Kummer, den die Welle nicht lindern könnte.
Trotzdem ist die Welle nicht ganz getrennt von uns, denn manche Tiere nehmen immer noch Anteil an dem Leben auf der Erde und lenken so manches Schicksal durch gute Wünsche und auch durch Besuche bei uns.
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Die vier Freunde trafen sich, wie so oft, auf Quinns riesiger Ebene in der Welle. Quinn, der riesige Molosser hatte dort wieder einmal seinen winzigen Freund Mose, ihren Lieblingskumpel Figo und Liz, die freundliche Katze zu Besuch.
Heute schien Liz ein bisschen nervös. Sie konnte nirgends in Ruhe sitzen bleiben, strich ihren Freunden dauernd um die Beine und machte immerzu einen Buckel. „Liz, du machst mich ganz wuschig mit deinem Getrippel“, bemerkte Figo, „was ist denn heute los mit dir?“
„Ich muss euch etwas sagen“, setzte Liz vorsichtig an und wand sich schon wieder um sich selbst. Mose schaute sie aufmerksam an und auch Quinn ließ von einem Schlammloch ab, in dem er genüsslich herumgegraben hatte.
„Nun sag schon“, brummte Quinn mit seiner tiefen Stimme, die wie ein freundliches Donnergrollen klang.
Liz lief immer aufgeregter hin und her und mitten im Laufen stieß sie hervor: „Ich will wieder auf die Erde gehen!“ Dann blieb sie abrupt stehen, damit ihr keine Reaktion ihrer Freunde entging. Quinn glotzte die Katze einfach nur an. Figo zog die Stirn kraus und Mose wirkte sehr erschreckt. „Oh nein, Liz“, quietschte er, „das ist nicht dein Ernst!“
„Doch“, sagte Liz und setzte sich endlich ruhig hin. Sie schaute ihren Freunden in die Augen. „Es ist wunderschön hier in der Welle und mit Euch. Aber auf der Erde ist es auch schön, oder könnte schön sein, oder eben noch viel schöner sein als es ist. Ich möchte die Erde noch einmal anders erleben. Nicht nur von hier oben aus. Ich weiß auch nicht…“
Liz stockte. Die drei Freunde schwiegen. „Und wenn es dir da schlecht geht?“, Moses kleines Welpenstimmchen war voller Furcht. Liz schaute ihn ernst an. „Ach, Mose“, seufzte sie, „hab keine Angst. Es geht so vielen Tieren schlecht und wenn sie dann wieder hier ankommen, sind sie glücklich.“
„Wenn du aber auf der Erde bist“, flüsterte Mose, „dann weißt du nichts von der Welle. Du kannst die Erinnerung nicht mitnehmen. Du wirst dich weder an uns, noch an dein Leben als Liz erinnern. Wenn es dir da schlecht geht, dann hast du keine Hoffnung!“
Die Freunde schauten Mose mitleidig an. „Wenn jeder hier es so sehen würde“, sagte Figo, „dann würden alle Tiere nur einmal auf die Erde gehen.“
„Und all denen“, setzte Quinn hinzu, „würde niemand zur Seite stehen.“
Mose schaute ihn verständnislos an. „Wieso?“
„Na, denk an die Saphire“, antwortete Quinn. „Wenn alle Tiere nur noch einmal zur Erde gingen, dann gäbe es keine Saphire mehr.“
„Ach so“, sagte Mose gedehnt. Er wusste, dass jeder, der ein Saphir werden wollte, mehrmals auf der Erde gewesen sein musste. Vor allem aber musste er mindestens einmal ein glückliches Leben gehabt haben.
„Liz, willst du denn ein Saphir werden?“ fragte er die Katze.
„Willst du es denn nicht?“ fragte Liz zurück.
Der kleine Mose senkte beschämt den Blick. „Ich werde bestimmt nie ein Saphir“, sagte er leise. „Ich trau mich nie wieder auf die Erde.“
Quinn trottete zu seinem kleinen Freund hinüber und ließ sich neben ihn plumpsen (dabei gab es ein Geräusch, als würde ein mittelgroßer Felsen in einen Sumpf fallen). Mitfühlend platschte seine riesige nasse Zunge, die nur unwesentlich kleiner war, als der ganze Mose, über den winzigen Hund. Und Quinn brummte: „Hey, Mose, du brauchst nie wieder auf die Erde und jeder wird das verstehen. Ich pass auf dich auf. Für immer!“ Mose legte sein winziges Köpfchen zwischen seine Vorderpfoten und schaute dankbar zu seinem riesigen Freund auf. „Aber es ist gut, dass Liz geht“, fuhr Quinn fort. „Nicht gut ist, dass wir uns bei jedem Tier, das auf der Erde neu geboren wird, Sorgen machen müssen.“
„Wir werden uns ja wieder sehen“, sagte Liz und rieb ihr weißes Köpfchen nacheinander an jedem ihrer drei Freunde. „Ich würde nicht gehen können, wenn ich nicht genau wüsste, dass ich wieder hier sein werde, wenn alles vorbei ist.“ Sie schniefte ein bisschen. Dann wandte sie sich zum gehen. „Lebt wohl, meine Freunde, es kann wohl ein paar Jahre dauern.“
„Leb wohl, Liz,“ sagte Figo, „und ich wünsche dir, dass es viele glückliche Jahre werden.“
„Ja“, brummte Quinn, „gemütliche Jahre mit warmen Kuschelplätzen und ganz viel Futter. Aber pass auf, dass du nicht fett wirst!“ fügte er Augenzwinkernd hinzu. Wobei das Zwinkern eher die dicke Träne in seinem Augenwinkel verbergen sollte.
Mose hatte seinen Kopf unter Quinns Schulter versteckt.
Liz trabte einfach los, wurde blasser und verschwand.
„Und jetzt wissen wir noch nicht mal, welche von den Millionen Katzen, die demnächst geboren werden, unsere kleine Liz ist“, sinnierte Quinn.
Mose rührte sich nicht und Quinn schleckte ihn ein bisschen zum Trost.
Figo war inzwischen aufgestanden und stapfte umher. „Wisst ihr was“, sagte er auf einmal laut, „es macht mich wütend!“ Quinn schaute ihn erstaunt an und auch Mose zog seinen Kopf unter Quinns Schulter hervor. „Es macht mich ungeheuer wütend! Was ist das für eine Welt, wo man sich gar nicht freuen kann, dass eine Freundin dort hin geht? Was ist das für eine Erde, auf der kein Tier mehr sicher ist? Wie wahrscheinlich ist es denn eigentlich noch, dass so eine Katze wie Liz in Sicherheit geboren wird, gesund groß wird und ein normales Katzenleben führt? Ist es nicht viel wahrscheinlicher, dass sie Hunger haben wird, frieren wird, ihr wehgetan wird, sie Angst haben wird?“
„Hör auf!“ rief Mose und hielt sich die Ohren zu. Figo verstummte erschreckt.
„Du hast Recht“, brummte Quinn und sah Figo an. „Eigentlich sollen ja die Saphire dafür sorgen, dass es den Tieren gut geht. Aber irgendwie scheint das nicht auszureichen.“
Figo hatte sich missmutig hingelegt. „Und damit müssen wir uns jetzt abfinden?“ fragte er.
Mose krabbelte zwischen Quinns Pranken hervor. „Wie ist es denn mit Wünschen?“ fragte er seine großen Freunde. „Sherry und Figo konnten wir doch von hier aus mit Wünschen helfen.“
„Na ja“, überlegte Quinn, „es gibt aber so viele Tiere auf der Erde dass wir uns gar nicht um alle kümmern können.“
„Sind wir denn hier in der Welle so wenige?“ fragte Mose.
„Nein“, antwortete Quinn, „aber die meisten wollen sich nicht mehr mit der Erde befassen. Sie, hmm, wie soll ich es erklären? Sie sind in so einer Art Schlafzustand. Sie fühlen sich einfach wohl und wollen es dabei belassen. Irgendwann vergehen sie einfach. Sie lösen sich in ihrem Wohlgefühl auf.“
Die drei Freunde schwiegen bedrückt.
„Wenn man das alles weiß“, murmelte Mose, „dann macht die ganze Welle keinen Spaß mehr.“
„Ja genau“, stimmte Figo ihm zu. „Ich habe überhaupt keine Lust, es mir hier gut gehen zu lassen, wenn es den vielen Tieren auf der Erde schlecht geht!“
„Wieso gehst du eigentlich nicht auf die Erde?“ fragte Mose den großen Quinn.
Quinn war auf einmal sehr verlegen. „Nöööö“, er schaute sich um, als wenn es irgendwo etwas wahnsinnig Interessantes zu sehen gäbe. „Das ist nicht gut, wenn ich da hin gehe.“
Figo und Mose wechselten Blicke. „Jetzt aber raus mit der Sprache“, forderte Figo, und Mose nickte nachdrücklich. Erwartungsvoll schauten sie Quinn an.
Der machte ganz den Eindruck, als wolle er in einem seiner Erdlöcher verschwinden. „Ich kann das nicht“, brummelte er. „Ich bin immer so schnell sauer, wenn Menschen mit Tieren schlecht umgehen…“
Mose kicherte. „Heißt das, du bist auf der Erde einer von diesen bösen Hunden?“
Quinn grunzte zustimmend. „Jau, ich bin einer, der total sauer wird. Ich kann mich dann einfach nicht beherrschen. Also, da ist wohl schon mal das eine oder andere kaputt gegangen...“ Wenn ein Hundegesicht breit und verlegen grinsen könnte, dann hätte Quinn das jetzt getan.
„Oh nein, Quinn!“ Figo verdrehte die Augen. „Hast du auch jemanden gebissen?“
„Jau“, die Erinnerung schien nicht sehr angenehm zu sein, denn Quinn schwieg eine Weile. Und dann polterte er auf einmal los: “Der hat es aber auch echt verdient, verdammte Scheiße!“
„Heee, schon gut“, beruhigte ihn Mose. „Ist wohl wirklich besser, du gehst nicht mehr auf die Erde.“
„Nee, tu ich ja jetzt auch nicht mehr“, .- es fehlte nicht viel und Quinn hätte vor Verlegenheit an seinen Krallen gekaut.
Wieder verfielen die drei Freunde in nachdenkliches Schweigen.
„Wir müssen uns unbedingt etwas überlegen“, sagte Mose in die Stille.
„Wir müssen die letzten Saphire wachrütteln“, fügte Quinn hinzu.
„Und wir brauchen eine neuen Plan. Etwas, was noch niemand versucht hat“, sagte Figo.
Und die drei Freunde setzten sich zusammen und dachten sich einen Plan aus, wie er nur in der Welle erdacht werden konnte...
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