3. Teil: Die Saphire
- 1: 1. Teil: Wünschen ist nicht immer einfach.
- 2: 2. Teil: Freundschaft ist keine Frage der Zeit.
- 3: 3. Teil: Die Saphire.
- 3.1: Prolog.
- 3.2: 1 - Der Rat der Saphire.
- 3.3: 2 - Annalina.
- 3.4: 3 - Leon.
- 3.5: 4 - Manawa.
- 3.6: 5 - Das Schweigen.
- 3.7: 6 - Quinns Auftrag.
- 3.8: 7 - Sophie.
- 3.9: 8 - Begegnungen.
- 3.10: 9 - Salz.
- 3.11: 10 - Hogan.
- 3.12: 11 - Hank.
- 3.13: 12 - Die Zeichnung.
- 3.14: 13 - Ari.
- 3.15: 14 - Showdown.
- 3.16: 15 - Die Schlucht.
- 3.17: 16 - Nachwirkungen.
- 3.18: 17 - Verloren.
- 3.19: 18 - Das Amulett.
- 3.20: 19 - Sherrys Entschluss.
- 3.21: 20 - Tüte.
- 3.22: 21 - Freunde.
- 3.23: 22 - Yax.
- 3.24: 23 - Abschiede.
- 3.25: 24 - Helden.
- 3.26: Epilog.
Quinns Auftrag
„Quinn, ich glaube, das geht so nicht“, sagte Figo beunruhigt. Die drei Freunde waren jetzt fast ununterbrochen zusammen auf Quinns weiter Ebene. Sie beobachteten, was ihr neuer Plan auf der Erde in Bewegung gesetzt hatte.
Viele Saphire hatten starke und warmherzige Kinder gefunden und heimlich ihre Wege gelenkt. Figo, Quinn und Mose hatten sich natürlich ihre Insel im blauen Meer ausgesucht und ihre Wünsche zu der kleinen Annalina geschickt. Nun beobachteten sie besorgt, wie Alina durch ihr Schweigen immer einsamer wurde und sich zu einem viel zu ernsten Kind entwickelte.
„Es war zu viel für sie“, sagte Figo besorgt, „was sie macht, ist nicht mehr gesund.“
„Wie soll man denn auch auf so was Krankes gesund reagieren?“, brummte Quinn, „Sie macht das doch großartig!“
„Quinn! Sie ist ein kleines Mädchen und sollte eigentlich lachen und fröhlich sein!“ Figo klang etwas ungeduldig.
„Ach, hör doch auf“, entgegnete Quinn. „Was erwartest du? Dass man dem Kind den Hund wegnimmt und sie fröhlich ist? Dann wäre sie die Falsche für unseren Plan gewesen.“
„Aber wir müssen ihr helfen“, sagte Mose. „So kann sie doch nicht einfach weiter machen und es nützt ja auch niemandem.“
„Sie braucht jemanden, der auf ihrer Seite steht“, grübelte Figo.
„Sie braucht eine Katze!“ brach es aus Quinn hervor und er war augenblicklich sehr begeistert von seiner Idee. „Eine nette, kuschelige Katze. Das ist es. Da ist sie nicht allein und trotzdem kann die Katze auf sich selbst aufpassen.“
„Und wo soll die Katze leben?“ fragte Mose, „Im Hinterhof?“
Figo dachte nach. „Und wenn wir ihr einen Saphir schicken?“
Quinn war noch ganz in seiner Katzenidee gefangen. Liz fehlte ihm doch mehr, als er gedacht hätte. Auf einmal blieb er stehen und schaute sehr zufrieden drein. „Ich hab’s!“, sagte er, „Wir fragen Sherry!“
Figo und Mose starrten ihn verblüfft an. Natürlich! Sherry war eine absolut verlässliche, nette Katze, der man ohne Probleme eine solche Aufgabe übertragen könnte. Sherry wusste um die Welle und die Saphire. Sie hatte sogar schon einmal mit einem Saphir gesprochen. Und Sherry lebte nicht weit entfernt von Annalina.
Figo bekam große, kugelrunde Augen wie ein bettelnder Welpe und sagte ganz lieb: „Kann ich bitte zu ihr geschickt werden?“ Als Figo noch auf der Erde gelebt hatte, war er Sherry begegnet. Er hatte sie als kleines Katzenkind kennen gelernt und nur wenige Tag mit ihr verbracht. Aber diese wenigen Tage hatten sein ganzes Leben verändert und eine große Freundschaft entstehen lassen. Figo hatte seine kleine Sherry nie vergessen, auf der Erde nicht und in der Welle auch nicht.
Mose schaute seinen Freund voller Zuneigung an. „Figo, das ist keine so gute Idee“, sagte er dann vorsichtig. Quinn setzte sich neben Figo und stopfte ihm seinen Riesenschnuffel ins Fell. „Hey alter Freund“, sagte er dann, „das geht nicht. Das ist gegen die Regeln. Man darf als Saphir nie zu Tieren oder Menschen, die man im Erdenleben gekannt hat.“
Figo ließ ein wenig den Kopf hängen. „Schade“, sagte er leise und zog einen Flunsch. Dann setzte er sich aber wieder aufrecht hin und schaute seine Freunde herausfordernd an. „Aber einer von euch muss gehen!“, sagte er entschlossen. „An meine Sherry lass ich keinen anderen Saphir als einen von euch. Und da Mose nicht gehen kann“, sagte er schnell, als er den panischen Blick des Kleinen sah, „musst du gehen, Quinn!“
Quinn glotzte Figo an und seien Augen traten dabei fast aus den Höhlen. Er zog seine Lefzen in Falten nach hinten, so wie es normalerweise nur Hunde tun, denen sehr übel ist. Dann schluckte er mit einem lauten Glucks. „NÄ!“ brach es dann aus ihm hervor, „Ihr wisst, dass ich das nicht kann!“
„Och komm, Quinn“, drängelte Mose und tippelte dabei von einer Pfote auf die anderen. „Lass uns nicht hängen! Außer dir kann niemand gehen!“
„Seid ihr verrückt?“ rief Quinn. Es fehlte nicht viel und er hätte den anderen einen Vogel gezeigt. „Ich kann so was nicht. Ich werde total sauer, wenn ich sehe, dass einem Tier Unrecht geschieht!“
„Aber als Saphir kannst du doch niemanden beißen“, piepste Mose aufgeregt.
„Genau“, stimmte Figo zu, „es kann gar nichts passieren.“
„Und stell dir vor“, sagte Mose listig, „du wirst unsere Sherry kennen lernen. Du wirst direkt vor ihr stehen und mit ihr sprechen!“
Quinn guckte verwirrt von einem zum anderen. „Hey, Freunde“, versuchte er es noch einmal, „ich war seit zehn Jahren nicht mehr da unten.“ Es war nicht zu leugnen: Quinn hatte mächtiges Lampenfieber.
„Wir beide werden das von hier aus schon schaukeln“, grinste Figo. Mose, der daran noch gar nicht gedacht hatte, schaute Figo entsetzt an. Erst jetzt ging ihm auf, dass er seinen großen Freund Quinn schrecklich vermissen würde. Figo war ein prima Kumpel, aber Quinn war Moses Beschützer, seine Burg, seine Sicherheit. Er wusste, dass ihm in der Welle nichts geschehen konnte, aber trotzdem hatte er sich mit dem riesigen Molosser neben sich geborgen gefühlt. Mose versuchte seine Sorgen zu verbergen. Wenn Quinn wüsste, dass er sich fürchtete, würde er erst recht nicht gehen.
Bald war es trotz vieler Widerstände beschlossene Sache: Quinn sollte als Saphir zur Erde gehen, um mit Hilfe von Sherry auf das Mädchen Annalina und ihre Mission zu achten. Die drei Freunde schauten sich ernst und ein bisschen wehmütig an.
„Und wieder geht einer von uns“, sagte Mose und seine kleine Stimme zitterte.
Quinn stand da, bereit zu gehen und doch zögerte er den Moment des Abschieds hinaus. Er ließ seinen riesigen Kopf ein wenig hängen. „Vielleicht werde ich viele Jahre weg sein, auf dieser verfluchten Erde“, brummte er.
Figo versuchte, ihm Mut zu machen. „Wenn du wieder kommst und dein Auftrag erfolgreich war, wird die Erde ein glücklicherer Ort sein.“ Quinns Blick sprach Bände: er konnte sich die Erde offenbar kaum als glücklichen Ort vorstellen.
Er schaute seinen kleinen Freund Mose lange an. „Wenn ich dich nicht sicher hier in der Welle wüsste, würde ich dich niemals allein lassen, Kleiner“, brummte er traurig und knabberte Mose liebevoll am linken Ohr. Mose kniff die Augen zu.
„Machs gut, Quinn“, sagte Figo wehmütig, „und grüß mir meine süße Sherry.“
„Bis bald meine Freunde“, sagte Quinn, als er schon blasser wurde, „ihr werdet mir so sehr fehlen!“
Quinn verschwand aus der Welle und Figo und Mose blieben allein zurück. Die weite Ebene wirkte auf einmal unendlich. Mose setzte sich und stellte seine vier Pfötchen so eng zusammen, als wolle er einfach verschwinden. „Figo, was haben wir da bloß angefangen?“ fragte er fast weinerlich. „Wieso muss Quinn jetzt wegen diesem Mädchen weggehen?“
Figo versuchte, ihn zu trösten: „Wir haben ein großes Ziel, Mose“, sagte er leise, „wir müssen darum kämpfen!“
Figo, der bis eben voll und ganz damit beschäftigt war, Quinn zu überreden und an Sherry zu denken, wurde auf einmal bewusst, dass er jetzt derjenige war, der dem kleinen Mose Mut und Hoffnung machen musste. Vorsichtig stupste er den Kleinen mit der Nase an. „Hey, Mose“, sagte er mitfühlend, „wir tun das alles für die Tiere. Wir können den Tieren auf der Erde nicht mehr dadurch helfen, dass wir nette Saphire schicken, die kleine Probleme lösen. Es geht um mehr. Es geht um Alles. Und dazu brauchen wir Kinder wie Annalina. Weißt du, sie sind so etwas wie unsere Boten.“ Mose schaute ihn zweifelnd an. Er würde von jetzt an jeden einzelnen Tag zählen, bis Quinn wieder kommen würde.
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