Showdown

Der Wecker klingelte früh. Leon zog sich das Kissen über die Ohren. Noch nichtmal im Urlaub konnte man ausschlafen! Aber dann wühlte er sich doch aus den Decken, denn heute würden sie einen Ausflug machen, auf den er sich freute. Sie hatten eine Wanderung durch eine berühmte Schlucht geplant. Er würde heute vielleicht Krikris sehen, seltene Wildziegen, und das war eine Wanderung wert.

Schon um sechs Uhr saßen sie alle drei im Wagen eines Hotelangestellten, der sie netterweise bis hinauf zum Einstieg in die Schlucht fuhr. Zwar ließ der Touristenstrom so spät im Sommer schon etwas nach, aber sie wollten sicher gehen, vor den ersten Busladungen unterwegs zu sein. Sie fuhren über 1000 Höhenmeter hinauf.

Es war noch frisch und kühl, als sie aus dem Auto stiegen. Und leider waren sie nicht die einzigen, die so früh zur Stelle waren. Aber diejenigen, die jetzt schon hier waren, schienen ebenfalls echte Naturliebhaber und weniger Massentouristen zu sein. Es waren auch nur 10 oder 15 Leute. In wenigen Stunden würden sich hier hunderte von Menschen drängeln. Sie bedankten sich bei ihrem Fahrer, der wieder zum Hotel zurückkehrte. Am Ende der Wanderung würden sie sich ein Taxi zurück zum Hotel nehmen. Teuer zwar, aber immerhin hatten sie Urlaub.

Man musste für den Eintritt in die Schlucht ein Ticket lösen. Und dann ging es los. Leon und seine Eltern waren gut gelaunt und gespannt auf das Naturerlebnis. Der Weg ging zwar bergab, aber er war nicht wirklich leicht zu gehen. Sie waren froh, richtige Wanderschuhe anzuhaben. Der Boden war steinig und uneben, aber der Weg wunderschön. Besonders jetzt, am frühen Morgen. Sie lachten und machten Scherze und blieben immer wieder stehen um Fotos von dem atemberaubenden Blick zu machen.

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Quinn war sehr aufgeregt. Er war in Hochstimmung. Sein Auftrag hatte bisher super geklappt. Alina hatte eine Aufgabe gefunden, sie sprach wieder und heute würde sie ihre Hündin wieder sehen. Das mit Hank war genau genommen gar nicht sein Werk gewesen, aber er hatte ein bisschen daran gedreht, dass der angefahrene Hund sich schnell erholte und weniger Angst hatte. Und Sherry war wunderbar. Sie würde einmal einen mächtigen und weisen Saphir abgeben.

Quinn war entschlossen, Alina und Sophie heute auf den Berg zu begleiten. Er wollte unbedingt dabei sein, wenn Manawa und Alina sich wieder sahen. Er freute sich wie ein Kind auf Weihnachten. Ach was, wie zehn Kinder auf zehn Weihnachten! Endlich ging es los! Sophie schleppte einen Futtersack ins Auto und stellte einen gefüllten Wasserkanister daneben.

„Na, ist der große Tag gekommen?“ fragte Sherry, die hinter ihm heran gekommen war. Auch sie schien gut gelaunt zu sein.

„Woaaaah, ich kann es kaum abwarten“, bellte Quinn und hopste nur so zum Spaß auf das Autodach. Das machte dem Dach natürlich gar nichts. Aber Sherry fiel auf, dass einige ganz kleine Staubwölkchen aufwirbelten, wo Quinn gerade noch gestanden hatte.

Sophie stieg ins Auto und startete den Motor. „Quinn!“ rief Sherry warnend, bis ihr einfiel, dass der Saphir ja in keinerlei Gefahr war.

„Heeeey, Sherry“, rief Quinn ihr vom Dach des fahrenden Autos zu, „als Saphir kann man super Autosurfen!“

Sherry schaute ihm amüsiert nach. Was für ein Kindskopf dieser riesige Molosser doch war. Aber sie mochte ihn furchtbar gern. Er war so eine gute Seele.

Sherry wandte sich um und ging gemächlichen Schrittes auf das Haus zu. Sie hüpfte federleicht auf einen der Stühle vor der Tür und rollte sich darauf zusammen. Es wurde Zeit für ein gemütliches Morgenschläfchen im Schatten.

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Alina hätte am liebsten laut gesungen, während sie sich anzog und wartete, dass es Zeit war, loszugehen. Sie war ja SO aufgeregt. Natürlich hatte sie die ganze Nacht kein Auge zu getan. Erst am Morgen war sie in einen leichten Schlaf gefallen in dem sie immerzu davon träumte, gleich, im nächsten Augenblick Manawa wieder zu sehen.

Sie war viel zu früh mit allem fertig. Aber vielleicht war Sophie ja auch zu früh an der verabredeten Straßenecke. Dann fiel ihr noch etwas ein. Sie öffnete die unterste Schublade ihrer Kommode. Dort lag, versteckt in einer Ecke, ein Seil. Es war die provisorische Leine, die sie einmal für Manawa geflochten hatte. Die würde sie für alle Fälle mal mitnehmen. Sie stopfte das Seil in ihre Jeanstasche und dann hielt sie es nicht mehr aus. Zehn Minuten zu früh stand sie am Treffpunkt.

Sophie kam um die Ecke gefahren und Alina winkte strahlend. Das Auto hielt an und sie stieg ein. War es wirklich wahr? Ja, sie fuhr jetzt und hier wirklich los um ihre Manawa zu holen. Alinas Herz hüpfte vor Freude. Auch Sophie grinste über das ganze Gesicht, während sie den Wagen auf die Berge zu lenkte.

Es war schon fast halb elf, als sie oben auf der Schotterstraße ankamen. Alina fühlte sich wie in einer Zeitmaschine, als sie den Felsen wieder erkannte, unter dem sie die Nacht verbracht hatte. Und dann fuhren sie an der Stelle vorbei, wo sie Manawa das letzte Mal gesehen hatte. Weiter ging es die Straße hinauf, die hier immer mehr zu einer schmalen staubigen Piste wurde.

Endlich hielt Sophie an und ließ den Wagen ausgehen. „Wir sind da“, sagte sie und schaute Alina an. Sie genossen diese halbe Minute Stille. Selbst Alina wurde in gewisser Weise ruhig: Jetzt war sie hier! Es konnte nichts mehr schief gehen. „Komm, wir gehen“, sagte sie.

Sie stiegen aus, holten den Futtersack und das Wasser aus dem Heck und schlossen so leise es ging die Autotüren. Dann machten sie sich schweigend auf den Weg durch das Geröll hinauf zum Grat. Die Sonne schien heiß von einem knallblauen Himmel.

Als sie fast ins Tal schauen konnten, ergriff Sophie sanft Alinas Arm und bedeutete ihr, jetzt geduckt zu gehen und sehr leise zu sein. Endlich erreichten sie ein trockenes Gebüsch und konnten so getarnt in das flache Tal schauen.

Zuerst sah Alina gar nichts außer Steinen und einigen wenigen kargen Büschen und Bäumen. Dann erkannte sie die Hunde, die farblich perfekt an ihre Umgebung angepasst, fast nicht zu sehen waren. Aber aus dieser Entfernung sah sie eben nur: Hunde! Sie konnte sie nicht unterscheiden. Sophie stieß sie mit dem Ellenbogen an und reichte ihr ein Fernglas. Alina nahm es, hielt es an die Augen und stellte die Schärfe ein. Da! Das war der Rüde. Er stand entspannt da und beschnuffelte irgendetwas auf dem Boden. Suchend bewegte sie das Fernglas, aber das hatte keinen Sinn. Sie nahm das Glas weg und suchte mit dem bloßen Auge das Tal ab. Etwas weiter links von dem Rüden machte sie einen weitern Hund aus. Hektisch riss sie das Glas an die Augen. „Hast du sie?“ flüsterte Sophie. Alina schüttelte den Kopf. Dies war die Mutterhündin. Sie hatte einen großen, dicken Bauch und bald würde sie ihre Welpen bekommen. „Da vor dem großen Felsen“, flüsterte Sophie.

Ruckartig schwenkte Alina das Fernglas herum. Sie sah ein Stück von dem Felsen, schaute weiter unten und da war sie!

Manawa lag halb zusammen gerollt und putzte sich ausgiebig einen Hinterlauf. Sie war völlig entspannt. Alina versank in diesem Anblick. Sie rührte sich nicht. Schaute nur. Sie erkannte ein Detail nach dem anderen wieder. Da war der kleine weiße Brustfleck. Und das eine Ohr hatte immer schon so ein bisschen zur Seite gestanden.

Seltsame Dinge gingen in Alina vor. Da war ihre Manawa. Und es war doch irgendwie nicht „ihre“ Manawa. Sie hatte die ganze Zeit gedacht, dass ihre Hündin einsam und unglücklich wäre und nun lag sie da zufrieden in der Sonne und putzte sich die Pfoten! Alina bekam so ein Gefühl, als hätte sie sich zu wichtig genommen. Manawa brauchte sie nicht wirklich. Bevor sie aber darüber enttäuscht sein konnte, wurde dem Mädchen bewusst, dass es darauf nicht ankam. Während sie durch das Fernglas sah, lernte Alina, dass Brauchen und Lieben zwei ganz unterschiedliche Dinge waren. Sie lächelte. Sie war furchtbar stolz auf ihre Manawa.

„Hier schau mal“, flüsterte sie und reichte Sophie strahlend das Fernglas. Als sie wieder in das Tal blickte, sah sie auf dem Kamm gegenüber etwas aufblitzen. Und dann bewegte sich etwas da drüben. Da stand jemand vom Boden auf. Ein Mann. Und vielleicht fünfzig Meter weiter noch einer. Was machten die da?

Alina wurde übel. Sie wusste, wusste, wusste! dass die nichts Gutes vorhatten. Mit einem Griff entriss sie Sophie das Fernglas. Die wollte gerade protestieren, als sie selbst die Gestalten am andern Ende des Tales sah. Alina suchte hektisch den Kamm ab. Da! Ein Mann. Neben ihm ein Junge. Meine Güte, das war Ari! Was machte Ari hier?

In dem Moment sah sie das Gewehr in Aris Hand. Er hob es hoch und legte auf das Tal an. Alina begriff.

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Quinn stand direkt neben Alina und hatte mit ihr zusammen ins Tal geblickt. Auch er sah die fünf Männer und den Jungen gegenüber. Quinn wusste, was ein Gewehr war. Das konnte nicht wahr sein!!

Jetzt, hier, wo gerade alles in Ordnung kommen sollte, wo gerade seine sorgfältig inszenierte Geschichte ihr Happy End finden sollte, tauchten diese Barbaren auf und wollten alles kaputt machen!!?? Das würde er zu verhindern wissen!

Quinn brüllte auf wie ein Drache und stürmte in das Tal.

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Mario fühlte die prickelnde Spannung, die er immer hatte, wenn er auf der Jagd war. Diesmal machte es ihm noch mehr Spaß, denn er würde dafür sorgen, dass sein kleiner Bruder auch endlich diesen Triumph kennen lernte. „Okay, Ari“, sagte er, „du siehst diese Drecksviecher da unten. Jetzt halte darauf an. Ich will einen echt geilen Schuss von dir sehen!“

Ari nahm einen der Hunde aufs Korn. Er wusste, dass die anderen ihm den ersten Schuss überlassen würden. In dem Moment, wo er feuerte, würden auch alle anderen anfangen zu schießen. Er zielte sehr sorgfältig einige Meter daneben. Trotzdem hatte er Angst. Vielleicht zielte er ja gerade so weit daneben, wie er das Korn verstellt hatte und traf am Ende noch den Hund.

„Los Ari, Showdown!“ flüsterte Mario heiser.

Ari kniff die Augen zu, schickte ein Stoßgebet zum Himmel, dass er nichts Lebendes treffen würde, und drückte ab.

Der Knall erschreckte die friedlichen Hunde fast zu Tode. Die Hunde rannten sofort in die den Schüssen entgegengesetzte Richtung. Rechts und links von Ari ballerten die anderen los. Mario riss ihm das Gewehr aus den Händen und schoss seinerseits auf die flüchtenden Tiere. Die Mutterhündin konnte nicht so schnell rennen wie die anderen und bot ein leichtes Ziel. Ari biss sich vor Angst in Fingerknöchel.

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Quinn galoppierte wie eine Herde Büffel durch das Tal als die ersten Schüsse krachten. Hinter sich hörte er Alina schreien. Die Hunde flüchteten ihm schräg entgegen. Er rannte an ihnen vorbei und auf den ihm am nächsten stehenden Mann los. Schäumend vor Wut sprang er den Kerl an und grub seine Zähne tief in seine Kehle.

Erst da wurde ihm bewusst, dass er ein Saphir war und diesem zweibeinigen Monster nicht ein Haar krümmen konnte!

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Alina sprang auf, rannte in das Tal hinunter und schrie in die Schüsse hinein Manawas Namen. Sophie schrie sie an, zurück zu kommen. Aber Alina rannte weiter. Die Männer würden nicht auf sie schießen. Die Hunde flüchteten rechts von ihr den Hang hinauf. „MANAWAA!“ brüllte sie und rannte ebenfalls nach rechs um den Tieren den Weg abzuschneiden.

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Quinn rastete total aus! Er wurde fast wahnsinnig in seiner Wut, die kein Ziel fand. Er konnte nicht angreifen, die Tiere im Tal nicht verteidigen. Er wusste nicht, was er tun sollte und seine Gefühle wurden so übermächtig, dass er glaubte, jeden Moment in tausend Teile zu zerplatzen. Er krallte sich im Boden fest um irgendeinen Halt zu bekommen und dann brüllte er los wie ein Löwe.

Und sein Gebrüll fand eine Resonanz in der Erde. Eine solche Energie hatte der Berg noch nie zu spüren bekommen und er schickte sie zurück an die Oberfläche. Das war zu viel. Der Boden unter Quinns Füßen, unter dem Tal, unter dem Berg begann zu beben.

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Alina spürte, wie es sie plötzlich von dem Füßen warf und die Erde sie anzuspringen schien. Mit einem heftigen Aufprall landete sie im Staub. Ein Grollen ganz tief unter ihr erschütterte die Felsen. Überall um sie herum begannen kleine Steinchen in die absurdesten Richtungen zu springen.

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Gordan verlor den Halt und knallte rückwärts auf sein Steißbein. Dabei löste sich der letzte Schuss aus seinem Gewehr ziellos in den Himmel. Niko neben ihm erging es nicht besser. Die Männer ließen ihre Gewehre fallen und stolperten kopflos über den Schotter. Mario packte seinen kleinen Bruder, zerrte ihn unter sich und schrie: "ein Erdbeben, HINLEGEN!".

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Manawa floh in wilder Panik weg von den Schüssen. Sie hatte so wahnsinnige Angst, wie noch nie. Sie rannte wie der Teufel. Aber dann verlor sie den Halt, geriet immer irgendwie wo anders hin als sie wollte. Mal trat sie in die Luft, dann schien der Boden plötzlich näher, als sie erwartet hätte. Taumelnd versuchte sie wieder an Richtung zu gewinnen.

Da drang plötzlich irgendetwas zu ihr durch. Etwas Vertrautes, etwas Altes. Sie verlangsamte ihren Schritt, stolperte, fiel und rappelte sich wieder hoch.

„Manawa!“

Mit einem Schlag war alles wieder da. Manawa erinnerte sich an dieses Wort, diese Stimme, hatte sofort den Geruch ihrer kleinen Herrin wieder in der Nase. Wo? Wo kam das her?

„Manawa!“ brüllte Alina, „Hier! Komm hierher zu mir!“

Manawa fand die Richtung und lief los. Dort, wo diese Stimme war, da war Sicherheit. Sie rannte und stolperte über die bebende Erde auf die Stimme zu. Dann hatte sie den Geruch, es konnte nicht weit sein. Sie sah Alina, sie roch Alina, sie stürmte in eine Wolke dieses Geruchs, warf sich dem Mädchen in die Arme und heulte laut auf.

Alina schlang ihre Arme um Manawa und versuchte, sie fest zu halten. Um sie herum polterte es. Überall rollten Steine den Abhang hinab. Ein Erdbeben! Alles, woran Alina dachte, war ihre Hündin irgendwie sicher hier heraus zu bringen. Panisch fummelte sie das Seil aus ihrer Tasche und schob es Manawa über den Kopf. Mit einer Hand hielt sie das Seilende fest, die andere legte sie fest auf Manawas Rücken. Sie hoffte, dass Manawa sich an dieses Band erinnern würde. „Los, komm mit!“ sagte sie und ging los. Die Hündin folgte ihr mit aufgerissenen Augen.

Alina versuchte es irgendwie den Hang hinauf zu schaffen. Immer wieder rutschten sie meterweise rückwärts, wenn ein Teil der Kiesel unter ihren Füßen ins Rutschen geriet. Der Boden hüpfte und wackelte weiter. Während sie sich bemühte, zu rennen und dabei den Hund nicht zu verlieren, erinnerte sich Alina, daran, dass mal jemand gesagt hatte, dass es bei einem Beben nur gefährlich wäre, wenn die Erde auf und ab hüpfte, nicht wenn sie nur hin und her schwankte. Aber sie konnte überhaupt nicht feststellen, was genau die Erde tat, außer dass sie sich bewegte wie ein bockendes Pony.

Plötzlich fühlte sie einen harten Griff am Ellenbogen. Sophie! Sie war endlich am Kamm angekommen. Auf der anderen Seite war es einfacher, da brauchten sie nur bergab zu rutschen. Manawa ließ sich wie von Sinnen einfach in jede Richtung zerren. Sie kollerten mitsamt den Stein- und Staubmassen auf das Auto zu.

„Los, los, rein mit euch“, schrie Sophie und stopfte Manawa und Alina regelrecht in den Wagen. Die Räder auf der einen Seite waren schon halb zugeschüttet. Sophie sprang hinters Steuer. Der Wagen wackelte derart, dass sie kaum das Zündschloss fand. Dann endlich sprang der Motor an. Die Räder lösten sich mit einem ungesunden Knirschen als sie Gas gab. Was dann folgte, war so etwas wie eine 30 Kilometer lange Achterbahnfahrt. Sophie kämpfte bei jedem einzelnen Meter darum, nicht von den Serpentinen auf den Abhang geschleudert zu werden. Hinten hörte sie Alina mehrmals aufschreien, wenn der Wagen all zu bedrohlich kippte. Die größte Angst hatte Sophie vor einem Erdrutsch und je tiefer sie kamen, desto mehr wuchs diese Angst.

Als sie endlich am Fuß des Berges angekommen waren, gab Sophie Gas, so viel sie konnte und raste in halsbrecherischem Tempo von den Berghängen weg, bis sie das Gefühl hatte, weit genug entfernt zu sein. Dann bremste sie und hielt den Wagen an.

Stille!

Das Erdbeben war vorbei. Sie hatten es geschafft. Alina presste ihr Gesicht in das Fell ihres zitternden Hundes. 

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