Freundschaft ist keine Frage der Zeit

Ein Tierschutzmärchen von Claudia Grothus; Dezember 2005
(Dies ist die Fortsetzung von "Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterWünschen ist nicht immer einfach")

Prolog

Als er langsam die Augen öffnete und spürte, dass er wieder frei durchatmen konnte, erinnerte er sich auf einmal daran, wo er war. Natürlich!

Die Welle.

Wohlig blieb er noch eine Weile einfach liegen. Er wusste: Wenn er gleich die Augen öffnen würde, könnte er wieder sehen. Wenn er aufstehen würde, könnte er wieder laufen und rennen. Nicht zum ersten Mal hatte er die Reise von der irdischen Welt in die Welle gemacht. Aber immer wieder war es eine ungeheure Wohltat, alle Schmerzen und Lasten, die zum Erdentod geführt hatten, auf einmal los zu sein. Und es war schön,
wieder zu wissen, dass es die Welle gab. Im Erdenleben verlor man alle Erinnerungen an die Welle.

Seufzend öffnete er die Augen. Alles war hell und sanft, leuchtend und klar. Er stand langsam auf, schüttelte sich, wunderte sich wieder über sein weißes Fell (in der Welle ist alles weiß) und wünschte sich, seinen alten Freund wieder zu sehen. Augenblicklich befand er sich an dem wohlbekannten Ort und begrüßte seinen Freund, als hätten sie sich erst gestern noch gesehen. Dabei lagen acht lange Erdenjahre dazwischen.

'Da bist du ja wieder.'

'Ja, da bin ich wieder.'

'Wie war es diesmal?'

'Schön.'

'Oh, das hören wir hier selten.'

'Ich weiß, aber diesmal war es wirklich schön.'
'Und jetzt, wo du weißt, dass es auch schön sein kann, hast du nun genug vom Erdenleben?'

'Nein. Ich möchte wieder hin.'


'Du hältst also an deinem alten Plan fest?'

'Ja, ich möchte ein Saphir werden.'

'Du wirst viel Leid und Elend sehen.'

'Ich weiß.'

'Du wirst auch viel Dummheit sehen.'

'Auch das.'

'Und du wirst allein sein. Denn du kannst niemanden berühren und niemand kann dich berühren.'

'Dafür werde ich die Dinge lenken können.'

'Ja, du wirst sehr viel Macht haben.'

'Ich werde sie nicht missbrauchen.'

'Das weiß ich. Aber ich lasse dich nicht gern gehen, mein Freund. Diesmal wirst du viel länger fort sein.'

'Aber was wäre die Erde ohne Saphire?'

'Ja, du hast Recht. Es sind viel zu wenige dort.'

'Wir müssen uns wieder mehr um sie kümmern.'

'Ja, das müssen wir wohl.'

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