2. Teil: Freundschaft ist keine Frage der Zeit
- 1: 1. Teil: Wünschen ist nicht immer einfach.
- 2: 2. Teil: Freundschaft ist keine Frage der Zeit.
- 2.1: Prolog.
- 2.2: 1 - Novembernacht.
- 2.3: 2 - Maja.
- 2.4: 3 - Ojo.
- 2.5: 4 - Saphir.
- 2.6: 5 - Rex.
- 2.7: 6 - Nacht.
- 2.8: 7 - Eingeschneit.
- 2.9: 8 - Dina und Fratz .
- 2.10: 9 - Gefangen.
- 2.11: 10 - Schwere Herzen .
- 2.12: 11 - Misstrauen.
- 2.13: 12 - Porto.
- 2.14: 13 - Freundschaftsdienst.
- 2.15: 14 - Eine Insel im blauen Meer.
- 2.16: 15 - Gespräch durch die Tür.
- 2.17: 16 - Annäherungen.
- 2.18: 17 - Die Suche.
- 2.19: 18 - Ein langes Gespräch.
- 2.20: 19 - Wanderer.
- 2.21: 20 - Freundschaften.
- 2.22: 21 - Spannungen.
- 2.23: 22 - Spiele.
- 2.24: 23 - Tiere und Menschen.
- 2.25: 24 - Träume werden wahr.
- 2.26: Epilog.
- 3: 3. Teil: Die Saphire.
Eingeschneit
Saphir machte sich Sorgen. Rex war sehr erschöpft und sie hatten vorerst keine sichere Zuflucht. Der scheinbar große Schäferhund war durch sein langes Zwingerleben und die ungewohnte Anstrengung hilflos wie ein Welpe. Der Schnee war so hoch, dass an eine schnelle Flucht nicht zu denken war. Zum Glück war es nicht all zu kalt, gerade so, dass der Schnee nicht schmolz. Und Rex hatte einen dicken Winterpelz.
„Was machen wir jetzt?”, fragte Rex.
„Du musst erstmal etwas ausruhen”, antwortete der Saphir.
„Aber wenn wir hier zu lange bleiben, wird mich der Mann finden und wieder in den Zwinger sperren!”, sagte Rex voller Furcht.
„Er findet dich nicht”, knurrte Saphir, „er sucht dich noch nicht einmal.”
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Ojo wachte am Morgen nach dem Schneesturm fröstelnd auf. Eine merkwürdige Helligkeit, wie es sie nur bei Schnee gibt, leuchtete durch das Fenster. Es musste schon spät sein. Nebenan im Wohnzimmer polterte es. Vermutlich waren die Katzenkinder dabei, sich etwas Unterhaltung zu verschaffen.
Er stand auf und schlurfte ins Wohnzimmer. Mitten auf dem Teppich saß Porto, wedelte zaghaft und schaute ihn etwas hilflos an. Vier junge Katzen können innerhalb kürzester Zeit aus einem normalen Wohnzimmer eine Art Schlachtfeld machen. Sämtliche kleineren Gegenstände vom Feuerzeug über Kugelschreiber bis hin zu heruntergebrannten Kerzenstummeln waren auf den Boden befördert worden. Das Sandkistchen für die Katzentoilette war zwar benutzt, aber es hatten auch größere Grabungen darin stattgefunden, die ziemlich viel Sand auf den Teppich befördert hatten. Zeitungsständer, Papierkorb und Ascheneimer waren genauestens auf ihren Inhalt inspiziert worden, der großzügig darum herum verteilt war.
Ojo grinste breit. „Tja, Porto, - endlich mal was los hier, was?” Porto wuffte leise und wedelte. Ojo fummelte den schwarzweißen Kater in zwei Metern Höhe aus dem Vorhang. Das buntgetupfte Kätzchen hatte es sich in seinem liegen gebliebenen Hemd gemütlich gemacht und es liebevoll eingespeichelt. Die grau getigerte kleine Katze bemühte sich intensiv um einen Kronkorken und der kleine rote Kater lugte erwartungsvoll hinter den Büchern im Regal hervor.
Maja saß immer noch auf dem Regal. Ojo fragte sich, ob sie die ganze Nacht dort verbracht hatte. „Komm, Porto, Pipi machen.” Er öffnete die Haustür und blieb verwundert stehen. Der Schnee reichte ihm bis über die Knie und war beim Öffnen der Tür zum Teil ins Haus gefallen. Porto schnuffelte daran und sah Ojo hilflos an. „Wie soll ich da Pipi machen?” schien er zu fragen. Ojo machte seufzend kehrt und zog sich warme Sachen an. Das würde ein anstrengender Tag.
Bevor er sich ans Schneeschippen machte, bereitete er aber seinen kleinen Gästen einige Schälchen mit Futter. Die immer hungrigen Kätzchen kamen gierig angerannt. Mit einem leisen Plumps sprang sogar Maja von ihrem Regal und näherte sich dem Futterplatz. Ojo schürte die restliche Glut im Ofen und legte Holz nach. Dann ging er hinaus.
Draußen wühlte Ojo sich bis zum Schuppen durch und fand die alte Schneeschaufel. Meter um Meter arbeitete er sich von der Haustür in Richtung Waldstraße. Porto hielt durch, bis er ein paar Schritte Platz für sein morgendliches Bedürfnis hatte. Die Kätzchen steckten neugierig ihre Nasen vor die Tür, fanden das viele kalte Weiß aber bald langweilig und verzogen sich wieder in das spannendere Wohnzimmer.
Zwei Stunden später kam Ojo schweißgebadet an der Waldstraße an. Die Straße lag völlig unberührt unter den Schneemassen. Alle paar Meter lagen abgebrochene Äste kreuz und quer über der schmalen Fahrbahn. Langsam wurde Ojo bewusst, dass hier ein echtes Problem auf ihn zukommen würde. Die Waldstraße war keine offizielle Straße, sie war kaum mehr als ein Wanderweg. Er selbst war der einzige Anwohner. Niemand würde hier ein Räumfahrzeug her schicken.
Ojo ging zurück zum Haus und schaute auf das Thermometer neben der Tür. Drei Grad Frost. Schmelzen würde es dabei keinen Zentimeter und der Himmel sah nicht so aus, als wäre das alles an Schnee gewesen. Er ging hinein und überprüfte seine Vorräte an Kerzen und Lebensmitteln. Die Tiefkühltruhe mit Portos Fleisch würde noch ein paar Tage Frosttemperaturen halten. Den Rest könnte er im Schnee vergraben, wenn es bis dahin nicht taute. Für ihn selber würde es auch noch ein paar Tage reichen. Aber Dina wollte ihn heute besuchen, um die Kätzchen abzuholen. Wahrscheinlich würde sie erst gar nicht losfahren.
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Rex wachte auf als der Morgen dämmerte. Er fühlte sich klamm und steif und alle Muskeln protestierten mit Schmerzen gegen jede Bewegung. Saphir saß neben ihm. „Komm, wir müssen los”, sagte der schemenhafte Hund.
„Ich kann nicht”, antwortete Rex matt, „mir tut alles weh.”
„Wenn du dich bewegst, wird es besser. Wir müssen hier weg, bevor die Menschen aus den Häusern kommen.”
„Ich kann nicht wie du auf dem Schnee laufen”, winselte Rex.
„Du musst dich anstrengen, wir müssen hier weg.” Ohne ein
weiteres Wort zu verlieren, sprang der Saphir auf die Schnee-decke und schaute sich wartend um.
Rex rappelte sich mühsam auf. Ihm blieb nichts anderes übrig, als dem Saphir zu folgen. Hier bleiben wollte er auf keinen Fall.
Im Hellen war es einfacher, durch den Schnee zu kommen. Rex lernte, dass er mit größeren Sprüngen über den Schnee hin-wegsetzen konnte und so die Kraft sparte, ihn beiseite zu schieben. Aber diese Art sich fort zu bewegen war auch anstrengend für seine untrainierten Muskeln und er musste nach jedem dritten Sprung ausruhen.
Saphir schöpfte Hoffnung. Rex schien sich nur darum zu kümmern, vorwärts zu kommen. Das war gut. Sie verließen den Hof und überquerten die breite Straße. Auf der anderen Seite war der Wald. Dort würde unter den Bäumen weniger Schnee liegen und sich vielleicht auch die Spur verlieren, falls der Mann doch nach seinem Hund suchen würde.
Als sie endlich unter den Bäumen ankamen, war Rex schon wieder total erschöpft. Er sah sich mit aufgerissenen Augen um. Das war alles so neu für ihn. Seine Welt hatte jahrelang nur aus dem Hof bestanden, den er durch die kleinen Quadrate seines Gitters sehen konnte.
„Saphir, was sollen wir jetzt tun?” fragte er verzagt.
„Wir müssen noch ein kleines Stückchen weiter”, versuchte Saphir ihm Mut zu machen. „Dann kannst du dich an einem sicheren Ort ausruhen.” Sie liefen noch eine ganze Strecke, bis Rex das Gefühl hatte, er könne keinen Schritt mehr weiter gehen. Da sahen sie einen großen, grünen Kasten, der aus dem Schnee heraus ragte. Saphir lief um den Kasten herum.
„Grabe dich darunter”, forderte Saphir ihn auf. Rex wühlte mühsam im Schnee, bis die dicke weiße Schicht nachgab. Er zwängte sich in das Dunkel unter dem Kasten: ein windgeschützter Raum, in dem er fast stehen konnte. Erschöpft ließ er sich auf den trockenen Boden fallen.
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