Nacht 

Im ersten Moment dachte Rex, er würde im Schnee ersticken. Er landete in einer großen Verwehung und fand keinen Halt unter den Pfoten. Hilflos ruderte er mit den Beinen herum, schien sich damit aber nur immer tiefer in die Schneewehe einzugraben. „Ruhig!”, hörte er die gedämpfte Stimme des Saphirs über sich. „Hör auf zu strampeln, bewege dich ganz langsam, dann geht es.” Rex kämpfte gegen seine Panik an und spürte, wie er sich mit langsamem Treten nach oben arbeiten konnte. Schließlich kam er hustend und Schnee spuckend an die Oberfläche. Erschöpft und hechelnd blieb er liegen. Der Schatten des Saphirs war direkt vor ihm. „Komm, alter Freund”, sagte die Stimme tröstend, „wir suchen uns eine geschützte Stelle.”

Leichtfüßig lief der Saphir über die Schneedecke voraus und Rex kämpfte sich hinterher. Bei jedem Schritt sank er bis zur Brust ein. Er hätte besser springen können, aber auf die Idee kam er nicht. Irgendwie schaffte er es, dem Saphir am Rand des Hofes entlang hinter die Scheune zu folgen. Dort war ein dem Wind abgewandter Winkel, wo der Schnee nur ein paar Zentimeter hoch lag. Rex ließ sich erschöpft fallen. Kurz danach verloschen gleichzeitig alle Lichter des Hauses.

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Ojo schloss die Fensterläden, als er hörte, wie der Wind abgerissene Zweige gegen die Hauswand fegte. Er ging hinaus, um noch einen Holzvorrat für die Nacht zu holen. Es schneite immer noch so stark, dass sich inzwischen alle Äste von Bäumen und Sträuchern unter der Schneelast zu Boden bogen. Tief im Wald ertönte ein lauter Knall. Dann wieder, ein Knall und danach ein lang gezogenes Krachen. Jetzt konnten auch die dickeren Äste die Schneelast nicht mehr tragen und brachen einfach ab. Ojo beeilte sich, mit seinem Holz zurück ins Haus zu kommen.

Zurück im warmen, gemütlichen Wohnzimmer gingen auf einmal die Lichter aus. Ojo schaute mit einer Taschenlampe nach den Sicherungen, aber es war alles in Ordnung. Irgendwo musste es eine Überlandleitung erwischt haben. Das war kein harmloser Schneefall, das war ein richtiger Sturm. Er suchte nach Kerzen und zündete einige an. Probeweise hob Ojo den Telefonhörer zum Ohr. Kein Ton. Gut, das hatte er erwartet.

Die Tiere schienen unbesorgt. Die vier Kätzchen waren völlig erledigt eingeschlafen und lagen wie dahin gestreut um Porto herum, der das Kinn auf die Vorderpfoten gelegt hatte und nachdenklich ins Feuer schaute.

Die Mutterkatze hatte sich klammheimlich einen Platz hoch oben auf dem Bücherregal gesucht und sich dort zusammen gerollt. Aufmerksam beobachtete sie Ojo bei allem, was er tat.

Ojo stellte einen Kessel Wasser über das Feuer und machte es sich in seinem großen Sessel davor gemütlich. Das Wetter schreckte ihn nicht. Er hatte alles was er brauchte und freute sich über seinen warmen Holzofen. Er beobachtete, wie die Katzenkinder im Traum mit den Näschen zuckten und mit den Pfoten tretelten. Wenn er sie nicht gefunden hätte, wären diese kleinen Kätzchen jetzt einem furchtbaren Todeskampf ausgeliefert. Ojo war mehr als froh und sehr verliebt in diese kleinen, glücklichen Geschöpfe.

Porto lag still am Feuer. Er war müde, aber wollte noch nicht schlafen. Die ganze Geschichte mit Sherry und seiner Rettung von der Insel zu erzählen, hatte sein Herz sehr aufgewühlt. Ohne den Kopf zu bewegen, blickte er hinauf zu Maja, aber die kniff die Augen zusammen, sobald sich ihre Blicke begegneten. Sie würde wohl noch eine Weile brauchen.

Das Heulen des Windes ließ im Laufe der Nacht nach. Anscheinend hatte sich der Sturm ausgetobt. Sehr spät ging Ojo noch einmal hinaus vor die Tür. Seine Fußstapfen vom Abend waren schon wieder dick zu geschneit. Der Weg vom Haus zur schmalen Waldstraße war nicht mehr zu erkennen. Die Welt hatte ihre Konturen verloren. Alles war weiches, sanftes, lautloses Weiß.

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„Saphir, bist du noch da?”, fragte Rex ins Dunkel.

„Ja, ich bin noch da”, antwortete der Saphir.

„Mir ist so kalt”, sagte Rex und Saphir hörte seiner Stimme an, dass er zitterte.

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