Tiere und Menschen

„Na, wie war ich?”, fragte Fratz, als Maja das Wohnzimmer betrat.
„Klasse!”, antwortete Maja. Sie mochte den kleinen Fratz gern.
„Rex ist nett”, sagte Fratz, „aber er hat echt keine Ahnung vom Spielen.”
„Und du?” Maja setzte eine Lehrermine auf. „Hast du Ahnung vom Rennen?”
„Ja, schon gut”, gab Fratz gutgelaunt zurück, „ich kann ihm das Spielen ja zeigen.”
„Wir wollen hoffen, dass du dazu noch Zeit genug hast”, sagte Maja sorgenvoll.
Fratz guckte enttäuscht. „Meinst du, sie fährt bald wieder mit mir ab?”, fragte er.
„Na, ich denke schon”, überlegte Maja, „das hat sie doch letztes Mal auch gemacht.”
„Menno!” Fratz zog einen Flunsch. „Ich hab keine Lust mehr, immer irgendwo hin zu fahren.”

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Die drei Menschen saßen zusammen vor dem flackernden Ofen. Es war gemütlich und seit dem Spiel der beiden Hunde fühlten sich alle drei besser. Ojo hatte eine Flasche Rotwein geöffnet und ihnen die Gläser gefüllt. „Auf Porto!”, sagte er und Dina und Karl nickten. „Auf Porto!”, wiederholten sie.

„Ich muss Euch was sagen”, fing Karl an.
Dina und Ojo schauten ihn erstaunt an. Karl begann zu erzählen, wie er die trächtige Katze in dem Karton gefunden hatte, wie er sie im Schuppen untergebracht und sie und die Babys gegen den Willen seiner Else gefüttert und versorgt hatte. Und er beendete seine Geschichte damit, wie er Maja und die vier Kitten einen Tag vor dem Schneesturm im Wald ausgesetzt und sie hinterher vergeblich gesucht hatte. „Ich bin vor Erleichterung fast in Ohnmacht gefallen, als ich die Katze und ihre Babys hier bei dir gesehen habe”, schloss er seine Geschichte.

Dina war sprachlos. Karls Geständnis war so ungewöhnlich, dass ihr einfach nichts dazu einfiel. Ojo schaute Karl an und lächelte fast. „Mann, was bist du für ein Trottel gewesen”, sagte er so herzlich zu Karl, dass dieser sich wirklich verstanden fühlte. „Ja”, sagte er, „aber damit ist jetzt Schluss.”

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Spät in der Nacht, als der kleine Fratz längst schlief, traf Maja draußen den Saphir. Er kam aus dem Holzschuppen.

„Hey, Saphir, wie geht es dem alten Rex?”, fragte sie.
„Er schläft wie ein Baby”, antwortete der Saphir. „Das Spielen war eine ungewohnte Anstrengung für ihn.”
„Und wie soll es jetzt weiter gehen?”, fragte sie.
„Tja”, sagte der Saphir nachdenklich, „jetzt kommt der schwierigste Teil.”
Maja sank das Herz, sie hatte eigentlich gedacht, dass das Schwierigste geschafft sei.

„Weißt du”, erklärte der Saphir, „Menschen tun und entscheiden Dinge nicht wie wir, einfach danach, wie es für alle am besten ist. Sie haben immer tausend Gründe, etwas zu tun oder zu lassen und meist haben diese Gründe überhaupt nichts mit der Sache zu tun, um die es gerade wirklich geht.”

„Ja”, stimmte Maja traurig zu, „das habe ich auch schon erlebt. Der Mann, der mich mit meinen Kätzchen in den Wald gebracht hat, der mochte uns, das weiß ich genau. Er muss einen Grund gehabt haben, uns wegzubringen.”

„Die Menschen sind sehr merkwürdig”, sagte der Saphir, „ich glaube, sie wissen nicht, was wirklich wichtig ist.”

„Und was machen wir jetzt?”, fragte Maja, „es gibt nämlich noch ein weiteres Problem…”
Saphir schaute Maja fragend an. „Der Kleine”, sagte sie, „der möchte gerne hier bleiben. Er will Freunde haben und einen Platz wo er bleiben kann.”

Der Saphir schaute verschmitzt. „So, so, will er das?” Und nach einer Pause: „Maja, ich brauche deine Hilfe.”
„Was soll ich machen?”, fragte Maja und war schon in den Startlöchern.

„Wir müssen mit den Menschen reden”, sagte der Saphir.
Maja plumpste mit ihrem Po auf den Boden zurück. „Wie bitte?”

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Ojo lag in seinem Bett und wälzte sich im Halbschlaf hin und her. Er fand keine Ruhe, dachte immerzu an Porto und fühlte eine riesengroße Lücke in seinem Leben. Hätte er doch bloß diesen Schäferhund nicht aufgenommen! Der Schmerz um Porto drückte ihm richtig aufs Herz. Er merkte es wie ein Gewicht auf der Brust, er konnte schlechter Atmen.

Moment mal!

Ojo wurde vollends wach, öffnete die Augen und schaute direkt in zwei große, runde Katzenaugen, die in der Dunkelheit funkelten. Die Katze saß mitten auf seinem Brustkorb und schaute ihn unverwandt an. Ihm war schon fast ein bisschen unheimlich.

„Hey, Katze”, sagte er leise, „du bist aber zutraulich geworden!” Die Katze schaute ihn weiter an.

Ojo, hör zu, ich muss mit dir reden. Ich glaube zwar nicht, dass du mich verstehst, aber der Saphir hat gesagt, dass ich einfach mit dir sprechen soll.

Irgendwie war Ojo ein bisschen gerührt, dass die Katze so vertrauensvoll war. Sie schien sich richtig eingewöhnt zu haben.

Das mit dem Rex, dass will ich mal klarstellen: Der hat nichts, aber auch gar nichts mit Portos Tod zu tun. Das weiß ich genau. Ich habe mit Porto gesprochen. Der hatte wirklich was anderes im Kopf als alberne Eifersüchteleien.

Irgendwie war es tröstlich, die Katze so nah zu spüren. Seltsam, dass er nie auf die Idee gekommen war, Porto könnte auf die Katze eifersüchtig sein. Dabei hätte das doch genau so sein können. Ihm kamen langsam Zweifel, ob seine Theorie über den Zusammenhang von Rex und Portos Tod so richtig war.

Und der arme Rex will nun wirklich niemandem irgendetwas wegnehmen. Der weiß überhaupt nicht, was er will. Er weiß nur, dass ihr die ersten Menschen seid, die wirklich nett zu ihm sind und er hat Vertrauen gefasst. Und was machst du? Du brichst ihm direkt sein gerade erst verheilendes Herz!

Vielleicht hatte er dem armen Schäferhund ja Unrecht getan! Was war er doch für ein Idiot! Der Schäfer trug ja nun an nichts irgendeine Schuld.

Und worauf willst du jetzt warten? Dass deine Trauer vergeht und du dann merkst, dass du ganz allein bist in deinem Haus und deinem Leben? Sollen bitteschön die Tiere, die dich brauchen und sich nach deiner Zuneigung sehnen, erst dann auftauchen, wenn der gnädige Herr mit Selbstvorwürfen fertig ist?

Aber er konnte Rex unmöglich behalten. Der Großbauer würde es irgendwann herausbekommen und ihn zurück fordern.
Du wirst nie wieder einen wie Porto haben. Und deshalb solltest du dich freuen, die Zeit mit ihm gehabt zu haben, anstatt dir die Erinnerung mit einem schlechten Gewissen zu versauen.

Himmel, warum stierte ihn diese Katze immer noch so an?

Rex braucht Hilfe. Ihr seid für ihn die größte Hoffnung. Er hat sich wie ein Welpe auf ein Streicheln von dir gefreut und du hast ihm die Tür vor der Nase zugeknallt. Und jetzt willst du ihn einfach wegschicken. Meinst du, dann würde dir Porto weniger fehlen?

Wahrscheinlich würde es ohne einen Hund noch schlimmer mit seinem Kummer um Porto.

Außerdem möchte der kleine Weiße gern hier wohnen. Er möchte endlich irgendwo ankommen und ich mag den Kleinen. Ich hoffe du denkst jetzt noch mal über alles richtig nach und entscheidest nach dem, worum es wirklich geht.

Die Katze hüpfte abrupt von Ojo herunter und lief aus dem Schlafzimmer. Ojo vermisste jetzt ihr Gewicht. Er mochte diese Katze gern. Sie hatte ihren eigenen Kopf und schien dabei aber ihr neues Zuhause sehr zu schätzen und zu genießen.

Ojo wollte jetzt erstmal alles überschlafen, aber es ging nicht. Die Gedanken ließen ihm keine Ruhe. Aber wie das so ist, wenn man nachts nicht schlafen kann: man kann genau so wenig wirkliche Entscheidungen treffen. Es bleibt nichts, als auf den Morgen zu warten.

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