2. Teil: Freundschaft ist keine Frage der Zeit
- 1: 1. Teil: Wünschen ist nicht immer einfach.
- 2: 2. Teil: Freundschaft ist keine Frage der Zeit.
- 2.1: Prolog.
- 2.2: 1 - Novembernacht.
- 2.3: 2 - Maja.
- 2.4: 3 - Ojo.
- 2.5: 4 - Saphir.
- 2.6: 5 - Rex.
- 2.7: 6 - Nacht.
- 2.8: 7 - Eingeschneit.
- 2.9: 8 - Dina und Fratz .
- 2.10: 9 - Gefangen.
- 2.11: 10 - Schwere Herzen .
- 2.12: 11 - Misstrauen.
- 2.13: 12 - Porto.
- 2.14: 13 - Freundschaftsdienst.
- 2.15: 14 - Eine Insel im blauen Meer.
- 2.16: 15 - Gespräch durch die Tür.
- 2.17: 16 - Annäherungen.
- 2.18: 17 - Die Suche.
- 2.19: 18 - Ein langes Gespräch.
- 2.20: 19 - Wanderer.
- 2.21: 20 - Freundschaften.
- 2.22: 21 - Spannungen.
- 2.23: 22 - Spiele.
- 2.24: 23 - Tiere und Menschen.
- 2.25: 24 - Träume werden wahr.
- 2.26: Epilog.
- 3: 3. Teil: Die Saphire.
Die Suche
Ein Schatten streifte über die Insel im blauen Meer. Er tauchte hier und da auf und verschwand dann wieder. Gerüchte machten sich unter den Tieren breit, dass ein Saphir gesehen worden war.
Saphire waren selten auf der Insel. So selten, dass die meisten Tiere gar nicht daran glaubten, dass es sie tatsächlich gab. Alle Tiere kannten die Geschichten von Schattentieren, die kamen und gingen und ihnen entweder das Glück oder den Tod brachten. Wenn es einem Tier sehr, sehr schlecht ging, dann sagte man „Der wartet auf den Saphir”. Damit war gemeint, dass nur noch ein Saphir ihn retten konnte, oder aber der Saphir kam, um ihn von seinen Leiden zu erlösen. Aber gesehen worden war schon viele Jahre keiner mehr auf der Insel.
Immer im Winter, wenn die Tiere froren und Hunger litten, dann sprachen sie wieder vom Saphir, erzählten sich Geschichten und malten sich aus, jetzt käme ein Saphir und würde ihnen Wärme und Sicherheit und Futter bringen. Und so wurde dem Gerücht, ein echter Saphir sei auf der Insel aufgetaucht, von den meisten Tieren keine Beachtung geschenkt. Das waren die üblichen Wintergeschichten, geboren aus der Sehnsucht und aus Hunger und Krankheit.
Auf seinem Weg über die Insel litt der Saphir mit den Kreaturen die er sah. Das Elend auf den Müllkippen, in den Hinterhöfen, in Höhlen und Bauruinen war unermesslich. Hier hatte er keine Möglichkeit, den Tieren zu helfen. Er konnte nur eins tun: nach denen suchen, die am meisten litten und für die es weniger als keine Hoffnung mehr gab und sie in die Welle hinüber zu geleiten.
Es war eine schwere und bittere Aufgabe, aber er vergaß darüber nicht, warum er auf die Insel gekommen war. Jedes Tier, dem er hinüber half, fragte er vorher: „Kennst du eine Katze namens Sherry?” Aber niemand hatte von ihr gehört oder wusste, wo sie zu finden war. Und der Saphir zog weiter und suchte.
Einmal traf er auf einen uralten Hund, der vor einem kleinen Haus lag. Der Saphir lief hin, denn alte Tiere gab es kaum auf der Insel und alte Tiere wussten mehr als junge. „Kennst du eine Katze namens Sherry?”, fragte er ihn. Der alte Hund hatte schon viel gesehen in seinem Leben und wunderte sich nicht. „War klar, dass ausgerechnet ein Saphir nach ihr fragt”, bemerkte der Hund trocken.
Der Saphir horchte auf. „Wo ist sie?”, fragte er.
„Ich habe keine Ahnung”, antwortete der Hund, „aber ich habe sie einmal gesehen, da war sie noch ein kleines Kätzchen. Sie kam nachts im strömenden Regen hier an. Am nächsten Morgen hat sie sich bei mir bedankt.”
„Wofür?”, fragte der Saphir erstaunt.
„Keine Ahnung”, sagte der Hund, „aber sie war in meinem ganzen Leben das einzige Tier, das sich je bei mir bedankt hat. Gut, ne?”
„Aber wo ist sie hin gegangen?”, fragte der Saphir.
„Die Straße da entlang. Aber das ist schon sehr lange her.”
Der Saphir schöpfte trotzdem Hoffnung. Wenn der alte Hund Sherry gesehen hatte, dann vielleicht auch noch andere Tiere. Er bedankte sich bei dem Hund (der ihm das fast übel nahm, denn es hatte ihm gefallen, dass sich in seinem ganzen Leben nur ein Tier bei ihm bedankt hatte) und lief die Straße entlang.
Wenige Tage später war dieser ganze Teil der Insel in heller Aufregung. Ein Saphir ist da! So viele Tiere hatte der Schattenhund befragt, dass es niemand mehr nur für eine Wintergeschichte hielt. Und alle wussten, nach wem er gefragt hatte. Einige Tiere kannten Sherry und manche hatten sie in letzter Zeit gesehen. Saphir kam der Katze, die er suchte, immer näher.
Als eine weitere Abenddämmerung über dem winterlichen Meer herabsank, sah er sie. Sie saß ganz still auf einer Mauer und schaute den Wellen zu.
„Sherry?”
Die Katze drehte sich nicht zu ihm um. Sie blieb ganz still sitzen.
„Ich habe gehört, dass du nach mir suchst”, sagte die Katze.
„Ja, ich habe dich lange gesucht und bin froh, dich gefunden zu haben.”
Die Katze drehte jetzt ihren Kopf zu ihm um und sah ihn an. Sie war angespannt. „Saphir, ich brauche deine Hilfe nicht”, sagte sie und wenn der Saphir nicht erkannt hätte, dass es Furcht war, hätte er sie für unfreundlich halten können, „es geht mir gut. Ich leide weder Hunger, noch bin ich krank.”
Der Saphir verstand. „Ich bin aus einem anderen Grund gekommen”, sagte er. „Ein Freund von dir braucht deine Hilfe.”
„Wer ist dieser Freund?”, fragte die Katze voller banger Vorahnungen und drehte sich endlich ganz zu ihm um.
„Du hast ihn damals Figo genannt”, antwortete der Saphir.
-
-