2. Teil: Freundschaft ist keine Frage der Zeit
- 1: 1. Teil: Wünschen ist nicht immer einfach.
- 2: 2. Teil: Freundschaft ist keine Frage der Zeit.
- 2.1: Prolog.
- 2.2: 1 - Novembernacht.
- 2.3: 2 - Maja.
- 2.4: 3 - Ojo.
- 2.5: 4 - Saphir.
- 2.6: 5 - Rex.
- 2.7: 6 - Nacht.
- 2.8: 7 - Eingeschneit.
- 2.9: 8 - Dina und Fratz .
- 2.10: 9 - Gefangen.
- 2.11: 10 - Schwere Herzen .
- 2.12: 11 - Misstrauen.
- 2.13: 12 - Porto.
- 2.14: 13 - Freundschaftsdienst.
- 2.15: 14 - Eine Insel im blauen Meer.
- 2.16: 15 - Gespräch durch die Tür.
- 2.17: 16 - Annäherungen.
- 2.18: 17 - Die Suche.
- 2.19: 18 - Ein langes Gespräch.
- 2.20: 19 - Wanderer.
- 2.21: 20 - Freundschaften.
- 2.22: 21 - Spannungen.
- 2.23: 22 - Spiele.
- 2.24: 23 - Tiere und Menschen.
- 2.25: 24 - Träume werden wahr.
- 2.26: Epilog.
- 3: 3. Teil: Die Saphire.
Annäherungen
Als Ojo am nächsten Morgen die Tür zu Rex' Schuppen öffnete, staunte er nicht schlecht. Der ängstliche Hund saß seitlich an der Wand und schaute mit gesenktem Kopf neugierig an Ojos Beinen vorbei nach draußen. Ojo schaute sich um. Einige Meter vom Schuppen entfernt saß die Katze hinter einem dicken Zaunpfahl und lugte scheinbar ebenso neugierig in den Schuppen. Ojo hatte Sorge, dass der Schäferhund die Katze jagen und weglaufen würde, also schloss schnell er die Schuppentür hinter sich. Er hätte schwören können, dass sich in das Gesicht des Hundes Enttäuschung malte.
„Hey, Rex”, sagte Ojo leise, „schau, was ich dir mitgebracht habe!” Er hielt dem Hund einen großen Knochen mit ordentlich Fleisch dran hin. Diesmal sollte Rex sich sein Futter aus seiner Hand holen.
Der Schäferhund war sichtlich aufgeregt und hin und her gerissen zwischen der spannenden Tür und dem verlockend
duftenden Knochen. Sein Blick wanderte von einem zum anderen und er trippelte unruhig. Es fehlte nicht viel und er hätte gejiffelt.
In Rex’ Kopf ratterte es. Er wollte so gern raus zu der Katze. Er hatte sie gesehen, aber noch nicht einmal Zeit gehabt, zu wedeln, bevor die Tür zuging. Was sollte er nur tun, damit diese Tür aufging? „Nett zu dem Menschen sein”, hatte Maja gesagt. Nett sein - hmmm, wie sollte man zu einem Menschen nett sein? Er kannte ihre Sprache nicht. Sie konnten nicht wedeln und nichts mit ihren Ohren machen - falls das überhaupt Ohren waren, was sie da am Kopf hatten. Gut, ihre Gesichter konnte man manchmal lesen, aber das war auch schon alles.
Der Mann mit dem lecker riechenden Fleisch in der Hand hatte jedenfalls ein entspanntes Gesicht. Und er bellte nicht. Aber reichte es, wenn er, Rex, auch entspannt guckte und nicht bellte? Was wollte dieser Mann von ihm? Er schien zu wollen, dass er diesen Knochen fraß. Das wäre ja kein Problem für Rex, aber warum legte der Mann den Knochen dann nicht hin, damit er sich ihn holen konnte? Jetzt konnte Rex nicht mehr anders – er jiffelte vor Aufregung.
Der Mann zeigte die Zähne, was Rex zuerst erschreckte. Aber der Mann machte dabei ein angenehmes Geräusch und seine Augenbrauen hoben sich. Es sah nicht bedrohlich aus. Rex legte den Kopf schief. Wieder zeigte der Mann die Zähne und machte das schöne Geräusch. Dann sprach er in seiner Menschensprache. Es waren weiche, schmeichelnde Töne, kein Bellen, kein Knurren. Rex fand es schön, wie der Mann sprach.
Hier sprachen alle so schön zu ihm – erst Maja und jetzt auch der Mann. Das brachte Rex schon wieder aus der Fassung. Er wollte irgendetwas, aber er wusste nicht, was. Total verwirrt legte er sich auf den Bauch und – es ging nicht anders – er musste einmal bellen.
Der Mann rutschte ein ganz kleines Stück näher und hielt ihm wieder das Fleisch hin. Rex platzte fast vor Anspannung.
Ojo war sehr gespannt, was der Schäferhund als nächstes machen würde. Rex wollte das Fleisch: ganze Seen hatte er schon gespeichelt. Aber er machte keinerlei Anstalten, es ihm direkt aus der Hand zu nehmen. Vielleicht war es zu viel verlangt. Ojo war ja schon froh, dass der fremde Hund kaum noch Angst zeigte und sehr viel interessierter war als in den letzten Tagen. So begnügte er sich damit, immer ein kleines Stückchen näher zu rutschen. Der Hund wich nicht zurück, aber er war deutlich verunsichert.
Schließlich legte Ojo den Knochen direkt dem Hund vor die Füße. Rex schnupperte genüsslich daran, leckte ein paar Mal und schaute Ojo dann an. „Ja, du darfst das fressen”, sagte Ojo in aufforderndem Tonfall, „nimm es ruhig!” Wieder schnupperte der Hund an dem Fleisch. Das war ein Durchbruch: Zum ersten Mal hatte Rex durch bewussten Augenkontakt kommuniziert.
Ojo fand, dass es für heute reichte mit den Annäherungsversuchen und verließ den Schuppen wieder. Von draußen durch das Fenster sah er, wie der Schäferhund selig das Fleisch von dem Knochen nagte.
Wesentlich zufriedener als in den letzten Tagen ging Ojo vom Schuppen zum Haus zurück. Bevor er hinein ging, blieb er kurz stehen und atmete die Waldluft. Ihm fehlten seine täglichen Spaziergänge. Aber ohne Porto hatte er keine Lust. Es schmerzte zu sehr, seinen alten Hund zu Hause zu lassen und zu wissen, dass er ihn nie mehr begleiten würde.
Schweren Herzens öffnete Ojo die Haustür und ging hinein. Porto lag im Wohnzimmer und wedelte ihn an. „Hey, Porto, alter Junge, wie geht es dir heute?” Ojo setzte sich zu seinem Hund auf den Boden. Wie anders war es nach dem Besuch im Schuppen, hier mit seinem vertrauten Freund zusammen zu sitzen. Ojo kostete die Vertrautheit aus und Porto schien dasselbe zu fühlen. Der struppige Hundekopf kuschelte sich an sein Bein und Porto drehte sich halb auf den Rücken, um die Rippen gerieben zu bekommen. Jedes Mal, wenn Ojo jetzt Porto streichelte, wurde ihm bewusst, dass diese Momente nun gezählt waren. Er versuchte, die Augenblicke noch mehr zu genießen, sich das Gefühl dabei einzuprägen. Aber die zukünftigen Erinnerungen ließen sich nicht vorweg nehmen. Es war einfach normal und schön und vertraut. Es war undenkbar, dass der Platz vor dem Ofen bald leer bleiben würde.
Ojo konnte nicht glauben, dass dieser Hund todkrank war. Aber immer wenn Porto aufstand um draußen sein Geschäft zu erledigen oder vom Boden auf den Sessel wechselte, dann sah man ihm an, dass diese kleinen Bewegungen ihn sehr an-strengten.
„Armer alter Bär”, sagte Ojo zärtlich und kraulte Porto die Schlappohren.
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Weit, weit entfernt kam der Saphir endlich an seinem Ziel an. Er betrat die Insel im blauen Meer und machte sich auf die Suche.
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