2. Teil: Freundschaft ist keine Frage der Zeit
- 1: 1. Teil: Wünschen ist nicht immer einfach.
- 2: 2. Teil: Freundschaft ist keine Frage der Zeit.
- 2.1: Prolog.
- 2.2: 1 - Novembernacht.
- 2.3: 2 - Maja.
- 2.4: 3 - Ojo.
- 2.5: 4 - Saphir.
- 2.6: 5 - Rex.
- 2.7: 6 - Nacht.
- 2.8: 7 - Eingeschneit.
- 2.9: 8 - Dina und Fratz .
- 2.10: 9 - Gefangen.
- 2.11: 10 - Schwere Herzen .
- 2.12: 11 - Misstrauen.
- 2.13: 12 - Porto.
- 2.14: 13 - Freundschaftsdienst.
- 2.15: 14 - Eine Insel im blauen Meer.
- 2.16: 15 - Gespräch durch die Tür.
- 2.17: 16 - Annäherungen.
- 2.18: 17 - Die Suche.
- 2.19: 18 - Ein langes Gespräch.
- 2.20: 19 - Wanderer.
- 2.21: 20 - Freundschaften.
- 2.22: 21 - Spannungen.
- 2.23: 22 - Spiele.
- 2.24: 23 - Tiere und Menschen.
- 2.25: 24 - Träume werden wahr.
- 2.26: Epilog.
- 3: 3. Teil: Die Saphire.
Schwere Herzen
Ojo glaubte, sich verhört zu haben, als es an seine Haustür klopfte. Aber auch Porto fuhr mit dem Kopf hoch, also hatte es tatsächlich geklopft. Ojo eilte neugierig zur Haustür und öffnete. Draußen stand Dina ohne Jacke und mit einem Welpen auf dem Arm im Schnee. „Dina! Wo kommst du denn her?”
„Sehr nette Begrüßung”, grinste Dina und trat über die Türschwelle. Sie setzte Fratz im Flur ab, der direkt auf Ojo zu wackelte und an seinen Füßen schnupperte. „Ich gebe zu, dass die Geschichte etwas verwickelt ist”, sagte Dina und umarmte Ojo herzlich.
„Mensch, ich hätte nie gedacht, dass du dich wirklich bis hierher durchkämpfst”, freute sich Ojo. „Komm schnell rein, du bist ja ganz kalt.”
„Und wer bist du denn, kleiner Mann?” Ojo hockte sich zu Fratz herunter und streichelte das kleine Köpfchen. Fratz wedelte und versuchte Ojo anzuspringen, was aber aufgrund der dicken Verbände misslang.
Dina trat fröstelnd in das warm geheizte Wohnzimmer und Fratz wackelte hinter ihr her. Porto lag vor dem Feuer und wedelte sie an. Dina runzelte die Stirn.
„Was ist denn mit Porto? Warum steht er nicht auf, um mich zu begrüßen?” Sie hockte sich vor Porto hin und wuschelte ihm liebevoll durch das struppige Fell.
„Hmm, jetzt wo du es sagst”, in Ojos Gesicht zeichnete sich Besorgnis ab, „er wollte gestern schon nicht mit in den Wald. Ich dachte, er spürt die Kälte in den Knochen.” Fratz stakste ungelenk durch das Wohnzimmer auf Porto zu und begrüßte ihn mit einem verhaltenen Wedeln. Sie beschnupperten sich und Fratz ließ sich auf dem Teppich nieder. Der kleine Hund schien sehr müde zu sein.
„Wir werden uns Porto mal ansehen”, sagte Dina, „aber vorher haben wir noch einen Kandidaten, der dringender Hilfe benötigt.” Dina erzählte schnell die Geschichte von ihrer Schneewanderung und dem verletzten Schäferhund am Bauwagen. „Wir müssen da sofort hin und ihn holen. Und eigentlich muss ich auch zu meinem Auto, denn ich werde wohl den Notfallkoffer brauchen.”
„Na dann aber los”, sagte Ojo und griff nach seiner Jacke. „Kann der Kleine alleine hier bleiben?”
„Ich glaube schon, die Katzen wird er nicht jagen können”, sagte Dina. „Wo sind sie denn überhaupt?”
„Die haben sich versteckt, als du mit dem Kleinen kamst”, grinste Ojo und deutete unter einen Sessel wo vier Paar neugierige Augen hervorlugten. Maja saß wieder auf ihrem Regalplatz.
„Komm, ich leihe dir eine Jacke und wir nehmen Taschenlampen mit. Kann sein, dass wir vor der Dunkelheit nicht zurück sind.” Ojo legte noch Holz in den Ofen und dann machten sie sich eilig auf den Weg durch den Schnee.
Sie waren ziemlich bald am Bauwagen angekommen. Der Schäferhund lag noch in Dinas Jacke, aber er war wach. Als er die Menschen kommen sah, versuchte er erst zu flüchten und als das nicht ging, knurrte er sie mit zurückgelegten Ohren an.
„Das sieht nicht gut aus”, sagte Ojo leise.
„Ich hab mir so was schon gedacht”, antwortete Dina.
Je mehr sie sich dem Hund näherten, desto lauter knurrte er und fing schließlich an zu bellen.
„Da können wir so nicht dran, hast du irgendwelche Leckerlis dabei?” fragte Ojo.
„Nein, aber im Auto habe ich noch Katzenfutter.”
„Ich gehe zu deinem Wagen”, schlug Ojo vor, „du kannst ja derweil hier schon mal Freundschaft schließen.”
Dina zog den Wagenschlüssel aus der Tasche und gab ihn Ojo. „Du musst nur weiter auf meiner Spur zurück gehen”, sagte Dina. Ojo grinste, „ich geh mal lieber meine Geheimwege, sonst bin ich ja erst heute Nacht wieder hier.” Dann machte er sich sofort auf den Weg.
Dina wendete sich wieder dem Schäferhund zu, der jetzt etwas leiser knurrte und deutlich Angst zeigte. Sie fuhr ihr gesamtes Repertoire an Beschwichtigungsgesten auf. Sie hockte sich in einigen Metern Abstand seitlich zu dem Hund, entspannte ihre Muskeln, streckte sich und gähnte auffällig. Das schien den Hund aber noch mehr zu beunruhigen. Sein Knurren klang sehr unentspannt. Dina wurde klar, dass die Tricks für die Auslandshunde hier nicht funktionierten. Dieser Hund hatte anscheinend nie in Gesellschaft anderer Hunde gelebt und die Körpersprache der Hunde nicht gelernt. Sie versuchte auf andere Weise zu zeigen, dass sie keine feindliche Absicht hatte. Sie fing an, leise mit dem Hund zu reden.
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Fratz war verunsichert. Wieso war Dina weggegangen und hatte ihn hier gelassen? Er war müde, aber zu angespannt um einzuschlafen. Schüchtern blickte er sich zu dem anderen Hund um. „Na, Kleiner”, sagte Figo freundlich, „alles ein bisschen fremd hier, was?”.
„Ja”, krächzte Fratz und wusste dann schon wieder nicht, was er sagen sollte.
„Schlaf ruhig”, sagte Figo, „hier bist du in Sicherheit.” Der große Hund legte seinen Kopf zwischen die Pfoten und schloss die Augen.
Aber Fratz war noch zu sehr mit seinen Erlebnissen beschäftigt. „Da liegt ein großer Hund im Wald, der blutet”, sagte er und Figo öffnete die Augen wieder.
„Was ist denn mit dem großen Hund?”, fragte er.
„Er hat ein schweres Metalldings am Hals und da blutet es”, sprudelte es aus Fratz hervor, „und er scheint zu schlafen oder so was.”
Porto runzelte die Stirn. Was war das für eine Zeit? Dauernd kamen hier neue Tiere an und erinnerten ihn an früher. Seit er den Kätzchen seine Geschichte erzählt hatte, war ihm das Herz schwer. Die ganze Zeit hier bei Ojo war er mehr als glücklich gewesen. Er hatte kaum noch an die Jahre gedacht, die er angebunden an der Tonne verbracht hatte. Das war vorbei.
Und jetzt, auf seine alten Tage schneiten hier buchstäblich fünf Katzen und ein junger Hund herein und holten alle Erinnerungen wieder hoch.
Figo wusste immer noch genau, wie sich eine Kette um den Hals anfühlt, aber er wollte sich nicht daran erinnern. Er wollte nicht darüber sprechen, es wieder vergessen, wieder Porto sein, der Hund der ein Zuhause und ein Herrchen hat und glücklich ist.
„Die Menschen werden dem Hund im Wald helfen”, sagte er zu dem kleinen Hund, „schlaf ruhig so lange, bis sie wieder kommen.” Und damit schloss er wieder die Augen.
Der kleine Fratz spürte, dass der große Hund nicht mit ihm sprechen wollte. Verschüchtert legte er seinen Kopf auf den Boden und schaute den anderen von unten her an. ’Wie soll ich denn schlafen?’, dachte er. Aber etwas später verlangte der anstrengende Tag dann doch sein Recht und er schlief ein. Vorsichtig wagten sich die vier Kätzchen unter dem Sessel hervor, um an dem fremden Tier zur schnuppern.
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Als Ojo mit Dinas Notfallkoffer wieder zu dem Bauwagen kam, war Dina schon bis auf einen Meter an den Schäferhund heran gekommen. Er ließ sie nicht aus den Augen, aber er knurrte nicht mehr. Dina begrüßte Ojo indem sie den Zeigefinger langsam auf die Lippen legte und ihm bedeutete, nicht näher zu kommen. Ojo bewegte sich langsam und blieb in einiger Entfernung stehen. Er zog ein Schälchen Katzenfutter aus der Tasche und warf es Dina zu. Es landete weich vor ihr im Schnee. Der Hund verfolgte jede ihrer Bewegungen.
Dina zog den Deckel von der Dose ab und wartete, bis der Hund den Duft aufgenommen hatte. Sie sah wie er die Nase in ihre Richtung reckte und Luft einsog. „Hmmmm, lecker”, sagte sie leise und streckte ihm langsam den Arm mit der Futterdose hin.
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