2. Teil: Freundschaft ist keine Frage der Zeit
- 1: 1. Teil: Wünschen ist nicht immer einfach.
- 2: 2. Teil: Freundschaft ist keine Frage der Zeit.
- 2.1: Prolog.
- 2.2: 1 - Novembernacht.
- 2.3: 2 - Maja.
- 2.4: 3 - Ojo.
- 2.5: 4 - Saphir.
- 2.6: 5 - Rex.
- 2.7: 6 - Nacht.
- 2.8: 7 - Eingeschneit.
- 2.9: 8 - Dina und Fratz .
- 2.10: 9 - Gefangen.
- 2.11: 10 - Schwere Herzen .
- 2.12: 11 - Misstrauen.
- 2.13: 12 - Porto.
- 2.14: 13 - Freundschaftsdienst.
- 2.15: 14 - Eine Insel im blauen Meer.
- 2.16: 15 - Gespräch durch die Tür.
- 2.17: 16 - Annäherungen.
- 2.18: 17 - Die Suche.
- 2.19: 18 - Ein langes Gespräch.
- 2.20: 19 - Wanderer.
- 2.21: 20 - Freundschaften.
- 2.22: 21 - Spannungen.
- 2.23: 22 - Spiele.
- 2.24: 23 - Tiere und Menschen.
- 2.25: 24 - Träume werden wahr.
- 2.26: Epilog.
- 3: 3. Teil: Die Saphire.
Novembernacht
„Was sitzt denn da für ein Hund am Hoftor?”, fragte Karl und schaute stirnrunzelnd aus dem Fenster in den konturlosen Novemberabend. Neben dem Steinpfeiler hob sich schemenhaft die Gestalt eines regungslos sitzenden großen Hundes gegen die neblige Dämmerung ab. Karl rieb sich mit Daumen und Zeigefinger die Augen, aber die schattenhafte Gestalt
verschwand nicht.
„Wo ist denn da ein Hund?”, fragte seine Frau, die neben ihm ans Fenster getreten war.
„Na da, am Tor, direkt neben dem Pfeiler.”
„Ich sehe nichts.” Die Frau schüttelte den Kopf und kehrte zu ihrem Abwasch zurück.
„Das wäre ja noch schöner, jetzt auch noch einen Hund hier herumlaufen zu haben. Diese ganzen stinkenden Katzen
reichen völlig aus!” Der Mann drehte sich seufzend vom Fenster weg. „Fängst Du schon wieder mit den Katzen an?”
„Die Katzen müssen weg!”, sagte seine Frau energisch und rieb einen Teller nach dem anderen trocken, als wolle sie Löcher hinein reiben.
„Aber wo sollen sie denn hin?”, fragte der Mann. „Wir haben doch alles versucht und sind nur zwei losgeworden.”
„Dann musst du sie halt irgendwohin weg bringen”, zischte die Frau zwischen den Zähnen hervor, während sie scheppernd das Geschirr in den Küchenschrank räumte.
„Weg bringen?”, fragte der Mann. „Was meinst Du mit weg bringen?”
„Na, irgendwo hin halt, in den Wald oder so, wo Tiere eben leben.”
„Bist Du verrückt?”, rief der Mann, „Sie sind noch viel zu klein, um allein zurecht zu kommen. Außerdem leben Katzen nicht im Wald.”
„Ach was”, fiel ihm die Frau ins Wort, „Katzen leben einfach überall und wenn die Mutter dabei ist, dann sind sie auch nicht zu klein. Wir haben die jetzt lange genug durchgefüttert. Sie kacken die ganze Scheune voll. Ich habe nie irgendwelches Viehzeug haben wollen, aber du musstest ja unbedingt eine schwangere Katze anschleppen!”
„Ich habe sie nicht angeschleppt, jemand hat sie am Feldweg ausgesetzt”, rief der Mann ärgerlich.
„Und ausgerechnet du musst sie natürlich mitbringen!”, keifte die Frau.
„Wir bringen sie ins Tierheim”, schlug der Mann vor.
„Du spinnst ja wohl!” Die Frau lief vor Zorn rot an. „Da müssen wir uns womöglich noch vorwerfen lassen, dass wir die Katze nicht haben rechtzeitig kastrieren lassen.”
„Ja, aber sie kam doch erst zu uns, als sie schon trächtig war”, sagte der Mann.
„Und du meinst, das glauben die uns?” Die Frau lachte humorlos. „Ich will damit nichts zu tun haben. Das spricht sich doch in der ganzen Nachbarschaft herum, wenn diese Tierheimspinner schlecht über einen reden. Wir hätten sie direkt im Regenfass ersäufen sollen, so wie mein Vater das immer gemacht hat.”
Und so stritten sich die beiden weiter – wie jeden Abend in den letzten Wochen.
Derweil lagen in der alten Scheune vier junge Kätzchen bei ihrer Mutter und schliefen. Es war schon ganz schön kühl geworden. Im Sommer, als sie geboren wurden, war es überall warm gewesen, aber jetzt konnte man eigentlich nur ganz zusammengekuschelt so richtig gut schlafen.
Der schemenhafte Hund am Tor stand auf und bewegte sich lautlos in Richtung Scheune. Wie ein grauer Schatten legte er sich vor das große Tor.
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