1. Teil: Wünschen ist nicht immer einfach
- 1: 1. Teil: Wünschen ist nicht immer einfach.
- 1.1: 1 - Liz.
- 1.2: 2 - Little Mose.
- 1.3: 3 - Big Quinn.
- 1.4: 4 - Hunger.
- 1.5: 5 - Erster Versuch.
- 1.6: 6 - Die Dose.
- 1.7: 7 - Die Rettung.
- 1.8: 8 - Sieben.
- 1.9: 9 - Sherry.
- 1.10: 10 - Unterwegs.
- 1.11: 11 - Figo.
- 1.12: 12 - Fieber.
- 1.13: 13 - Shelter.
- 1.14: 14 - Transport.
- 1.15: 15 - Abschied.
- 1.16: 16 - Spielgefährten.
- 1.17: 17 - Hilfe.
- 1.18: 18 - Regen.
- 1.19: 19 - Zurück.
- 1.20: 20 - Krank.
- 1.21: 21 - Besonders.
- 1.22: 22 - Morgen.
- 1.23: 23 - Bonny.
- 1.24: 24 - Der Stein.
- 2: 2. Teil: Freundschaft ist keine Frage der Zeit.
- 3: 3. Teil: Die Saphire.
Die Dose
Als zu einem Kotflügel geformten Blechteil fristete ich mein bisheriges Dasein am vorderen Teil eines alten Autos, welches von Familie Paulus auf der griechischen Insel Kreta bewegt wurde. Mein Leben war ausgesprochen langweilig. Bis auf die Tage, an denen ich Ausflüge über die Insel machen durfte. Nichts brannte sich in diesen Momenten intensiver in mein Blechgedächtnis, als die vielen Tiere, die dürr, abgemagert, hungrig und durstig, angebunden an kurzen Ketten und Blechtonnen ihr trauriges Dasein fristen mussten. Warum ein Blechteil Mitleid fühlen kann? Ich habe keine Ahnung, da muss irgendetwas Eigenartiges hinter stecken. Jedenfalls wuchs in mir immer mehr der Wunsch, irgendetwas für diese Tiere tun zu können. Aber was sollte ich altes Blechteil schon tun können?
Mein Besitzer kehrte nach über 12 Jahren zurück nach Deutschland, was für mich und das restliche Auto aber nichts Gutes heißen sollte. Unsere Zeit war abgelaufen und ehe wir uns versahen, verschwand der einstige Stolz der Familie in einer Stahlpresse. Dann fielen wir in einen glühenden Ofen und ab jetzt beginnt in einer Art Auferstehung, meine eigentliche Geschichte, die ich erzählen will.
Wohlgeformt und ohne Rost erblickte ich erneut das Licht der Welt. Es kann kein Zufall gewesen sein – irgendwer schien meinen innigsten Wunsch erhört zu haben, denn ich wurde eine Dose, und dann auch noch dazu bestimmt, Futter für Katzen in mir zu tragen. Es war so wunderbar! Hatte ich doch nun eine echte Chance, dort zu helfen, wo ich einst so viel Elend sah. Ich musste mir unbedingt etwas einfallen lassen, um genau dort wieder hinzukommen.
Als Blechdose hat man natürlich keinen Einfluss auf den Lauf der Dinge, aber mit einem kleinen Trick schaffte ich es, die Routine einer ganzen Fabrik auf den Kopf zu stellen. Mit meiner abgerundeten Kante blieb ich in der riesigen Maschine an einem Rädchen hängen, was dafür sorgte, dass sämtliche Aufkleber, die meine und die Blechhaut der anderen Dosen schmückte, schief aufgeklebt wurden. Hehe!
Bis meine Tat bemerkt wurde, waren 40.000 meiner Kollegen gefüllt. Mit schiefen Aufklebern taugten wir dann nichts mehr für den Verkauf in schönen Supermärkten und so erwartete uns das wunderbare Schicksal einer Fehlcharge! Warum ich mich so darüber freue? Ganz einfach: für ganz wenig Geld konnte sich nämlich jetzt ein Tierschutzverein über unsere Ankunft freuen. Es dauerte auch nicht lange und wir wurden abgeholt. Wir wurden in einer riesigen Halle untergebracht, in der reges Treiben herrschte. Ich hatte einen schönen Platz hoch oben auf einer Palette erwischt und konnte alles beobachten.
Auf der anderen Seite eines kleinen Ganges standen größere Dosen auf denen ein Hund abgebildet war. Ob bei diesen Kollegen auch eine clevere Dose für eine Fehlproduktion gesorgt hatte?
Große Säcke lagen gleichfalls meterhoch und schön gestapelt in unserer Nähe. Zu klein die Körnergröße des Trockenfutters, hieß es. Na, daran würden sich hungrige Mäuler nicht stören!
Dann tauchten immer wieder Menschen und große LKW auf, die weiteres Futter brachten. Es waren bunte Säcke, mit verschiedensten Inhalten. „Zusammengesammelt von vielen Tierfreunden aus ganz Deutschland“ rief man zu mir hinüber. Auch Decken wurden verpackt. Leinen, Halsbänder, Katzentoiletten, Flugboxen, Medikamente, ein nagelneuer OP-Tisch und vieles mehr ließen fast keinen Platz mehr in dieser großen Halle.
„Wir warten noch auf eine größere Spende aus der Sammelstelle im Ruhrgebiet“, hieß es eines Morgens „dann kann es losgehen!"
Die Spannung stieg und so langsam wurde ich nervös. Wollte ich doch unbedingt meinen Inhalt irgendeinem kleinen hungrigen Katzenkind schenken. Der Zeitpunkt war günstiger denn je.
Im Bauch eines riesig großen LKW verschwand eine Palette nach der anderen. Viele Menschen liefen hier hin und dort hin und passten auf, dass alles sicher verladen wurde. Als meine Palette an der Reihe war, blitzte ein Messer auf, zerschnitt unsere Plastikhülle und eine Hand griff nach mir. „Alles aus“, schoss es mir durch den Kopf. „So kurz vor dem Ziel und dann schaffe ich es doch nicht und lande auf dem goldenen Teller einer fetten, verwöhnten Hauskatze, die meinen Inhalt womöglich noch verschmäht" dachte ich....
...aber nein! Ich verschwand in der Jackentasche von einem der Männer und später hörte ich, ich solle für einen Notfall parat stehen! Was für ein Glück, was für ein Geschenk für mich - einem ehemaligen traurigen Kotflügel!
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