Hunger!

Hunger! Noch nie hatten sie so einen Hunger gehabt. Die acht kleinen Kätzchen tapsten unruhig durch den Sand und kletterten auf der steinigen Böschung umher. Sie schnüffelten neugierig alles ab, was herum lag, aber es war nirgendwo etwas zu fressen zu finden. Immer wieder kuschelten sie sich aneinander, um zu schlafen und jedes Mal, wenn sie aufwachten, riefen sie nach ihrer Mutter.

Jetzt waren sie schon fast einen ganzen Tag allein und ihre Kreise um das Versteck wurden immer größer…

Liz sah Quinn mit flehendem Blick an.
„Meine Kätzchen liegen versteckt in einem Straßengraben. Sie sind noch zu klein, um sich selbst Futter zu suchen. Sag mir, was ich tun kann!“.

Quinn wiegte seinen gewaltigen Schädel hin und her. Dabei kaute er an einem nassen Stück Etwas, das Ähnlichkeit mit Holz hatte. „Hmm, hmm, es ist nicht einfach. Du musst es lernen. Eigentlich müsstest du schon viel länger hier sein, um das richtig hinzukriegen…“
„Was hinzukriegen?“ fragte Liz.
Quinns große Nase rückte Näher an Liz heran. „Sieh mal Mieze, du kannst andere, die noch auf der Welt leben, äh… sagen wir mal beauftragen, dir zu helfen.“
Liz setzte zum Sprung an. „Wie geht das? Sag es mir!“ Man kann nicht gerade sagen, dass sie es dem großen Hund leicht machte. Sie stand schon in den Startlöchern, als Quinn noch nicht einmal richtig angefangen hatte, zu erklären. Quinn ließ ein missfälliges Grollen hören, das die ganze Ebene in Vibrationen versetzte. „Du hörst mir jetzt erstmal zu! Wer weiß, was du da unten anrichtest, wenn du was fasch machst!“

Liz setzte sich fast unwillkürlich wieder hin und stellte ihre Pfötchen brav nebeneinander. Bloß diesen Monsterhund jetzt nicht aus der Fassung bringen! Auch der kleine Mose lauschte gebannt Quinns Erklärungen.

„Also passt auf!“ begann Quinn mit seiner tiefen Stimme. „Niemand kann von hier aus selbst zurück auf die Erde. Aber wir können etwas von unserer Energie der Welle nach unten schicken. Wenn diese Energie mit einem Wunsch verbunden ist und wir es schaffen, sie genau in der richtigen Zeit und am richtigen Ort ankommen zu lassen, dann können wir das Schicksal dort unten ein wenig beeinflussen.“

Liz konnte ihr Mäulchen jetzt doch wieder nicht mehr halten: „Du meinst, ich kann einer anderen Katze sagen, sie soll meine Kinder füttern?“ Ihre Augen waren vor Staunen weit aufgerissen.

„Blödsinn“ brummte Quinn. „Nein, wir können nur den Lauf der Dinge ein bisschen in eine bestimmte Richtung schubsen. Wie genau dann der Wunsch erfüllt wird und ob er auch wirklich erfüllt wird, das hängt davon ab, wie gut er gewünscht und wie gut er geschickt wird. Wünschen ist eine große Kunst und Wünsche an das richtige Ziel zu schicken ist fast noch schwieriger.“

„Wünschen ist doch ganz einfach“ unterbrach ihn Liz. Dann sagte sie laut und feierlich: „Ich wünsche mir, dass etwas passiert, das meinen Kindern Futter bringt.“

„Haaaalt!!!“ bellte Quinn laut und sprang auf. „Wirst du wohl aufhören hier einfach so unausgebildet herum zu wünschen!!“ Er war jetzt wirklich aufgebracht und Liz bekam einen Riesenschreck. „Das Wünschen ist in der Welle etwas Anderes. Hier bedeuten Wünsche etwas, du dumme kleine Anfänger-Katze! Halt sofort deinen Mund und warte, bis du alles weißt!“ Quinn lief brummelnd auf und ab. „Wer weiß, was sie da angerichtet hat“, knurrte er sich in die Barthaare. Dann setzte er sich hin, schloss fest seine Augen und streckte die riesige Nase nach oben. So blieb er regungslos sitzen. Liz fragte sich, was er da machte, traute sich jetzt aber nicht, etwas zu sagen.

Die kleinen Katzen waren in ihrem Graben wieder einmal hungrig eingeschlafen. Ihre Kräfte ließen langsam nach. Eng zusammengekuschelt lagen sie da. Auf einmal tat es einen lauten Rummms. Die Katzenkinder quietschten erschreckt und sprangen auf. Etwas Großes war direkt neben ihnen im Graben gelandet. Es war ein großes, knisterndes, grünes Ding. In dem Ding waren andere kleinere Dinge und daraus roch es gut. Die kleinen Kätzchen zog es unwiderstehlich zu diesem Geruch und sie krabbelten eilig in das grüne Geraschel und suchten mit ihren kleinen Näschen und Pfötchen darin herum. Sie schleckten und hatschten mit ihren kleinen Zähnchen, fanden hier ein Stückchen und dort einen Klecks Essbares.

Endlich bewegte sich Quinn wieder und öffnete die Augen. „Da hast du ja noch mal Glück gehabt“, sagte er und schaute Liz finster an. „Du hast deine Kinder fast mit einer Mülltüte erschlagen. Und zum Glück war nichts Giftiges drin. Bist du denn verrückt, hier einfach so drauf los zu wünschen?!“

„Äh, - was?!“ Liz verstand nicht. Nur eins wurde ihr klar: Quinn hatte irgendeine Möglichkeit, zu sehen, was ihre Kinder taten. Das brachte sie völlig aus der Fassung. „Was machen sie, wie geht es ihnen? Ich will sie auch sehen, sag mir wie das geht!“

Quinn verdrehte die Augen und nahm einen tiefen Atemzug. Seine Geduld war auf eine harte Probe gestellt. Er fing leise an zu knurren, während Liz immer noch mit peitschendem Schwanz vor ihm auf und ab lief und Fragen auf ihn einprasseln ließ.
„KATZE!!“ bellte er endlich laut und Liz erstarrte. „Wenn du mir jetzt nicht endlich ordentlich zuhörst, dann werde ich mich umdrehen und weiter meinen Lieblingsstein suchen! Hörst du?“

„T…t…tschuldigung“ stammelte Liz, „es ist ja nur wegen…“ ihre kleine Stimme fing an zu zittern und Tränen der Verzweiflung kullerten aus ihren großen Augen.

„Ja, ist ja gut, ist ja gut“, brummelte Quinn und legte sich wieder hin.
„Babys sind halt immer ein besonderes Problem“, seufzte er.
Und dann fuhr er fort, zu erklären.

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