1. Teil: Wünschen ist nicht immer einfach
- 1: 1. Teil: Wünschen ist nicht immer einfach.
- 1.1: 1 - Liz.
- 1.2: 2 - Little Mose.
- 1.3: 3 - Big Quinn.
- 1.4: 4 - Hunger.
- 1.5: 5 - Erster Versuch.
- 1.6: 6 - Die Dose.
- 1.7: 7 - Die Rettung.
- 1.8: 8 - Sieben.
- 1.9: 9 - Sherry.
- 1.10: 10 - Unterwegs.
- 1.11: 11 - Figo.
- 1.12: 12 - Fieber.
- 1.13: 13 - Shelter.
- 1.14: 14 - Transport.
- 1.15: 15 - Abschied.
- 1.16: 16 - Spielgefährten.
- 1.17: 17 - Hilfe.
- 1.18: 18 - Regen.
- 1.19: 19 - Zurück.
- 1.20: 20 - Krank.
- 1.21: 21 - Besonders.
- 1.22: 22 - Morgen.
- 1.23: 23 - Bonny.
- 1.24: 24 - Der Stein.
- 2: 2. Teil: Freundschaft ist keine Frage der Zeit.
- 3: 3. Teil: Die Saphire.
Bonny
Sherry kam nur langsam wieder richtig auf die Beine. Sie durfte in dem Raum bleiben und schlafen und fressen so viel sie wollte. Oft ließ die Frau die Tür offen stehen und Sherry konnte beobachten, was im Nebenraum geschah. Dort war die Frau und arbeitete an einem großen Tisch und dort lag auch jeden Tag eine alte Hündin in der Ecke in einem großen Korb. Viele Tiere wurden in den anderen Raum gebracht. Es ging ihnen nicht gut und die Frau half ihnen. Dann wurden sie wieder hinaus gebracht. Oft kam auch die andere Frau, die mitgeholfen hatte, Figo wegzubringen. Sherry gewöhnte sich daran, dass die beiden Menschen sie anfassten und streichelten. Mit der Zeit verlor sie ihre Furcht vor den großen Menschen und fand es sehr angenehm, von ihren Pfoten gerieben zu werden. Sie schnurrte dann und streckte sich wohlig.
So verbrachte sie einige Tage, von denen sie viele Stunden in ihrem Körbchen verschlief. Und schließlich kam ein Morgen, an dem Sherry Lust bekam, ein wenig die Gegend zu erkunden. Ihre Beine fühlten sich wieder fest und stark an, nicht mehr so, als würde der Boden unter ihr nachgeben. Und ihr wurde auch nicht mehr schwindelig, wenn sie eine Weile auf war.
Vorsichtig streckte sie ihr Köpfchen aus der Tür in das große Zimmer mit dem Tisch. Die Frauen merkten es gar nicht, sie waren mit einem Tier auf dem Tisch beschäftigt. Aber die alte Hündin bemerkte sofort, dass Sherry herüber kam.
„Da bist du ja endlich, Kleine“, sagte die Hündin freundlich, „ich habe mich schon gefragt, wie lange du noch da drin bleiben willst“.
Sherry lief vorsichtig auf die Hündin zu. Es war schön, wieder mit einem Tier zu sprechen. „Hallo, ich heiße Sherry und ich war krank“, sagte sie artig.
„Ich weiß, dass du krank warst“, antwortete die Hündin, „ich freue mich, dass du wieder gesund bist und ich heiße Bonny“. Glücklich über die Gesellschaft der alten Bonny stieg Sherry in den großen Hundekorb und setzte sich.
„Jetzt schau dir das an!“ sagte die Tierärztin und blickte erstaunt auf den Korb von ihrer Hündin Bonny in dem auf einmal auch das Kätzchen saß. „Was willst du mit ihr machen?“ fragte die andere Frau. „Sie kann doch nicht hier bleiben.“
„Ich werde die Leute, die den alten Tonnenhund genommen haben fragen, ob sie nicht das Kätzchen dazu nehmen“, antwortete die Tierärztin. „Ich wollte nur warten, bis es sicher ist, dass die Kleine ihre Krankheit überlebt.“
„Wir könnten sie auch hier in die Katzenpflegestelle bringen. Da ist sicher noch Platz für sie“, sagte die Frau, „sie ist noch ein bisschen zu jung, um sie wieder laufen zu lassen“.
„Ich weiß noch nicht“, antwortete die Tierärztin. „Anscheinend hat sie eine Vorliebe für Hunde – und auch eine Vorliebe für besondere Rettungsaktionen: Mit ihr kam nicht nur der verletzte Tonnenhund, sondern auch die halb verhungerten Welpen.“ Die Frauen fuhren fort, den verletzten Kater auf ihrem Tisch zu versorgen.
„Wie ist das mit deinem Freund, dem Tonnenhund?“ fragte Bonny die kleine Katze. „Woher weißt du das?“ fragte Sherry verwundert zurück. „Ach, weißt du, Kleine, wenn man so lange mit den Menschen lebt, dann versteht man ihre Sprache ein bisschen. Also, wie hieß er, dein Hundefreund?“
Sherry dachte an Figo und ihr Herz tat ihr weh. Dann erzählte sie der alten Hündin die ganze lange Geschichte von dem Verschwinden von Liz und ihren Geschwistern, von ihrer Wanderung am Strand und der Begegnung mit Figo. Bonny hörte aufmerksam zu und sah Sherry dabei mit einem seltsamen Blick an.
Als Sherry zu Ende erzählt hatte schwiegen beide eine Weile. „Und was willst du nun anfangen, kleine Sherry?“ fragte Bonny.
Sherry schaute sie erstaunt an. „Wieso?“ fragte sie. „Na, die Menschen hier denken darüber nach, was mit dir geschehen soll. Sie überlegen, ob sie dich zu Figo schicken oder an einen Ort wo viele Katzen leben.“ „Uiiiiiii“, freute sich Sherry, „kann ich auch beides? Zu Figo gehen und zu den Katzen?“.
„Hmmmm“, brummte die Hündin, „ich fürchte, das geht nicht. Du kannst nur an einem Ort bleiben“.
„An einem Ort bleiben?“ fragte Sherry und riss weit die Augen auf. „Für wie lange?“
„Na, für immer“, sagte die Hündin und schaute die kleine Katze prüfend an. Sherry ging unwillkürlich einen Schritt rückwärts. „Für immer?“ flüsterte sie entsetzt.
Die alte Bonny hatte Mitleid mit der kleinen Katze. Sie rieb ihre große Nase in dem weichen Katzenfell. „Hab keine Angst, Sherry“, sagte sie tröstend, „ich weiß, wie du dich fühlst“.
Und dann erzählte Bonny ihr von ihrem Leben. Und sie hatte viel zu erzählen, denn sie war sehr alt für einen Hund. Viele Orte hatte sie gesehen und viele Abenteuer erlebt. Sherry hörte der alten Bonny aufmerksam zu. Sie schloss die Augen und stellte sich vor, wie sie die alte Hündin an die Orte ihrer Geschichten begleitete. Bonny erzählte immer weiter und irgendwann vermischte sich ihre ruhige Stimme mit Traumbildern und Sherry wanderte zwischen den Welten. Wieder suchte sie etwas, einen bestimmten Stein. Aber sie konnte ihn nicht finden...
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