1. Teil: Wünschen ist nicht immer einfach
- 1: 1. Teil: Wünschen ist nicht immer einfach.
- 1.1: 1 - Liz.
- 1.2: 2 - Little Mose.
- 1.3: 3 - Big Quinn.
- 1.4: 4 - Hunger.
- 1.5: 5 - Erster Versuch.
- 1.6: 6 - Die Dose.
- 1.7: 7 - Die Rettung.
- 1.8: 8 - Sieben.
- 1.9: 9 - Sherry.
- 1.10: 10 - Unterwegs.
- 1.11: 11 - Figo.
- 1.12: 12 - Fieber.
- 1.13: 13 - Shelter.
- 1.14: 14 - Transport.
- 1.15: 15 - Abschied.
- 1.16: 16 - Spielgefährten.
- 1.17: 17 - Hilfe.
- 1.18: 18 - Regen.
- 1.19: 19 - Zurück.
- 1.20: 20 - Krank.
- 1.21: 21 - Besonders.
- 1.22: 22 - Morgen.
- 1.23: 23 - Bonny.
- 1.24: 24 - Der Stein.
- 2: 2. Teil: Freundschaft ist keine Frage der Zeit.
- 3: 3. Teil: Die Saphire.
Morgen
Der Morgen dämmerte und Sherry fragte sich, der Morgen von welchem Tag das sei. Sie konnte sich nicht erinnern, wie lange sie geschlafen hatte. Sie hatte einen merkwürdigen Traum gehabt. Immerzu hatte sie einen bestimmten Stein gesucht und konnte ihn nicht finden. 'So ein Unsinn', dachte sie, 'was soll ich mit einem Stein anfangen?'. Sie reckte die Vorder-beine, hatte aber Schwierigkeiten, auf die Füße zu kommen. Was war los? Wo war sie überhaupt?
Vorsichtig öffnete Sherry die Augen. Sie war in einem Menschenraum in eine gemütliche Mulde gebettet. Neben der Mulde lag eine Menschenfrau und schlief. Sie kannte die Frau, es war eine von denen, die Figo weggebracht hatten.
Sherry wurde unruhig. Sie musste mal - und zwar dringend. Auf wackeligen Beinchen machte sie sich auf die Suche nach einer dieser Sandkistchen. Schon nach ein paar Schritten wurde ihr aber sehr schwindelig und sie musste sich hinsetzen. Das mit dem Kistchen würde nicht mehr klappen…
Langsam krabbelte sie zurück in ihre warme Mulde. Wie war sie nur hier her gekommen? Dann fiel ihr alles wieder ein: die Welpen, ihre schreckliche Wanderung durch den Regen und das seltsame Gefühl, von einem Zweibeiner getragen zu werden. Ihr war schlecht geworden, da am Rand des Dickichts und von da an wusste sie nichts mehr. Anscheinend hatten die Menschen nicht nur die Welpen, sondern auch sie mitgenommen. Sherry seufzte erleichtert auf. Dann kuschelte sie sich in ihrer Mulde zurecht und schlief erschöpft wieder ein.
Die Tierärztin erwachte, als es im Zimmer hell geworden war. Ihr erster Blick galt dem Kätzchen. Es lag schlafend im Körbchen. Vorsichtig fasste sie das Tierchen an. Die glühende Hitze war nicht mehr da und das Kätzchen atmete in tiefen, entspannten Zügen. „Feines, Kätzchen“, flüsterte die Tierärztin und freute sich, „das hast du sehr, sehr gut gemacht!“. Dann stand sie auf und entdeckte dabei einige Schritte vom Körbchen entfernt ein kleines Bächlein auf den Fliesen. „Oh, wir waren also schon wach und sind aufgestanden“, die Tierärztin lachte leise. Sie hatte sich lange nicht mehr so sehr über die Genesung eines Tieres gefreut. Schnell wischte sie die kleine Pfütze weg, füllte ein Kistchen mit frischem Streu und stellte es ganz nah neben das Katzenkörbchen. „Dann will ich uns beiden mal Frühstück machen.“
Das Frühstück bestand aus einem Becher Kaffee für die Frau und etwas mit warmem Wasser püriertem Katzen-Welpenfutter für Sherry. Während die Frau ihren Kaffee trank beobachtete sie, wie dem Kätzchen offenbar der Duft des warmen Futters ins Näschen stieg und es die Augen öffnete. Wie von einem Magnet angezogen folgte das Katzennäschen dem Duft und dann machte sich das schwache Tierchen hungrig über das Futter her.
„Na, du scheinst übern Berg zu sein“, sagte die Tierärztin. Das Kätzchen schaute sie etwas erschreckt an. Dann schnüffelte es noch einmal am Futter, schien aber genug zu haben und ging wieder ins Körbchen. „Sehr vernünftig“, bemerkte die Tierärztin und nahm einen weiteren Schluck Kaffee.
Dann saßen sie da, das Kätzchen in seinem Korb und die Tierärztin an ein Regal gelehnt, und schauten sich an. „Was mache ich denn jetzt mit dir?“ fragte die Tierärztin. Das Kätzchen antwortete nicht, aber es schaute sehr interessiert. „Möchtest du in eine schöne Katzenpflegestelle?“
„Oder möchtest du vielleicht zu deinem Freund nach Deutschland?“
Nachdenklich nahm die Frau einen weiteren Schluck aus ihrer Kaffeetasse.
„Ich finde, sie sollte zu Figo“, meinte Liz. Quinn wiegte nachdenklich seinen großen Kopf hin und her. „Meinst du, sie wäre da in so einer Wohnung glücklich?“ brummte er. Mose sagte: „Vielleicht ist Sherry ja jetzt alt genug, um ohne unsere Wünsche zurecht zu kommen. Sie ist jetzt kein hilfloses Baby mehr.“
„Auf dieser Insel muss man kein Baby sein, um Wünsche zu benötigen“, warf Quinn ein.
Und Liz hätte furchtbar gern einen Beschützer für Sherry gehabt.
„Sie könnte doch die Katze der Tierärztin werden“, schlug Mose vor. Quinn schaute nicht so, als ob er das für eine gute Idee hielt. „Ich weiß nicht“, brummte er, „vielleicht sollte sie mal einfach sorglos mit ein paar anderen Katzen leben“.
Die drei versanken in Schweigen. Irgendwie wurden sie sich nicht einig.
Nach einer Weile sagte Quinn: „Vielleicht sollten wir uns helfen lassen.“
Mose und Liz schauten ihn fragend an. „Wir könnten ihr wünschen, dass sie jemanden trifft, der ihr hilft, ihr Rat gibt oder wie auch immer.“
„Wie auch immer, ist ja nicht unbedingt das, was du uns über das Wünschen beigebracht hast“, sagte Mose frech. Aber die Idee gefiel ihm. „Immerhin sind wir uns einig, dass Sherry irgend jemanden braucht, der zu ihr gehört.“
„Das ist gut“, sagte Quinn, „das ist sogar sehr gut.“ Liz schaute besorgt, sagte aber nichts.
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