1. Teil: Wünschen ist nicht immer einfach
- 1: 1. Teil: Wünschen ist nicht immer einfach.
- 1.1: 1 - Liz.
- 1.2: 2 - Little Mose.
- 1.3: 3 - Big Quinn.
- 1.4: 4 - Hunger.
- 1.5: 5 - Erster Versuch.
- 1.6: 6 - Die Dose.
- 1.7: 7 - Die Rettung.
- 1.8: 8 - Sieben.
- 1.9: 9 - Sherry.
- 1.10: 10 - Unterwegs.
- 1.11: 11 - Figo.
- 1.12: 12 - Fieber.
- 1.13: 13 - Shelter.
- 1.14: 14 - Transport.
- 1.15: 15 - Abschied.
- 1.16: 16 - Spielgefährten.
- 1.17: 17 - Hilfe.
- 1.18: 18 - Regen.
- 1.19: 19 - Zurück.
- 1.20: 20 - Krank.
- 1.21: 21 - Besonders.
- 1.22: 22 - Morgen.
- 1.23: 23 - Bonny.
- 1.24: 24 - Der Stein.
- 2: 2. Teil: Freundschaft ist keine Frage der Zeit.
- 3: 3. Teil: Die Saphire.
Besonders
Die Tierärztin beugte sich besorgt über die kleine Katze, die vor ihr auf dem Tisch lag. „Auf jeden Fall hat sie Fieber“, erklärte sie und nach einigen Untersuchungen: „Ich vermute, sie hat eine Lungenentzündung. Der Marsch durch den Regen war wohl zu viel für sie.“
„Wird sie es schaffen?“ fragte der Mann.
„Ich kann es nicht sagen“, antwortete die Tierärztin, „sie braucht jetzt erstmal viel Ruhe“. Sie betrachtete lange das Katzenkind. „Ich könnte schwören, dass ich dieses Kätzchen kenne“, sagte sie dann nachdenklich. Der Mann horchte auf.
„Letzte Woche kam hier ein verletzter Tonnenhund an, zu dem ein seltsames Katzenkind gehörte“, erzählte die Tierärztin. „Die beiden schienen eine ganz besondere Freundschaft miteinander zu haben. Wir haben den Hund nach Deutschland geschickt, weil er am Bein operiert werden muss. Als wir ihn in den Transporter geladen haben, hat das Kätzchen versucht, sich an ihm festzukrallen. Es war das Tragischste, was ich je an Tierfreundschaften erlebt habe. Die Kleine war völlig verzweifelt, aber wir konnten sie doch nicht mit in die Klinik schicken.“
„Und was ist aus ihr geworden?“ fragte der Mann gespannt.
„Sie ist uns entwischt, als wir den Hund raus gebracht haben. Wir dachten, dass sie sich bestimmt draußen an der Futterstelle einfindet, aber wir haben sie nicht wieder gesehen.“
„Sie kann unmöglich die ganze Strecke bis zu uns gelaufen sein. Du verwechselst sie bestimmt.“
Die Tierärztin war davon nicht so schnell zu überzeugen. Zwar sah sie oft vierzig und mehr Tiere pro Tag auf ihrem Tisch, aber das hieß nicht, dass sie ihre Patienten nicht aufmerksam wahrnahm. Und diese kleine Katze, die bei ihrem Freund dem Hund bleiben wollte, hatte sie so sehr gerührt, dass sie sich seit dem immer wieder gefragt hatte, was aus ihr geworden sein mochte.
„Komm doch mal her“, sagte die Tierärztin und zeigte dem Mann eine Karte von der Insel. „Wo genau haben die Welpen gelegen?“
Der Mann zeigte ihr die Stelle und die Tierärztin nahm ihr Telefon und wählte eine Nummer.
„Hallo, wo seid ihr?“ fragte sie in den Hörer.
….
„Prima, dann habt ihr es ja fast hinter euch.“
….
„Nein, es ist alles in Ordnung, ich habe nur eine Frage: Wo genau hattet ihr diese Reifenpanne auf dem Weg zur Fähre?“
….
„Ich habe es geahnt.“
….
„Nein, aber ihr hattet einen blinden Passagier. Eine kleine Katze ist mit euch gefahren, sie muss bei der Panne aus dem Wagen gesprungen sein.“
….
„Er hatte keine Halluzinationen, da war wirklich eine Katze...“
Schließlich legte die Tierärztin den Hörer auf. „Sie ist es“, sagte sie dann zu dem Mann, „sie muss zu ihrem Freund in den Transporter geklettert sein und ist dann bei einer Reifenpanne aus dem Wagen gesprungen. Das war ganz in der Nähe der Hundewelpen“.
Beide Menschen schauten nachdenklich auf das Kätzchen.
„Sie ist etwas ganz Besonderes“, sagte die Tierärztin leise und legte Sherry sanft in ein weich gepolstertes Körbchen.
Quinn, Mose und Liz waren sich immer noch nicht ganz einig. Aber sie wünschten sich, dass Sherry nicht leiden und möglichst wieder ganz gesund werden sollte. Die Hündin hatte ihnen erzählt, wie gut Sherry augenblicklich aufgehoben war und nun mussten sie abwarten. Es war alles für die kleine Katze getan, was getan werden konnte - von Seiten der Menschen und von Seiten der Welle. Nun lag es an Sherry selbst. Sie ganz allein musste sich nun für eine Seite entscheiden.
Spät am Abend, als die Tierärztin den Behandlungsraum des Tierheims in Ordnung gebracht hatte, ging sie noch einmal zu dem Körbchen mit dem Katzenkind. Das Tierchen war immer noch ohne Bewusstsein und atmete hektisch. Der kleine Körper glühte vor Hitze. „Na, du hast ja noch eine Menge Power“, flüsterte die Tierärztin. Aber ihr Gesicht sah sehr besorgt aus. Sie streichelte dem Kätzchen ganz zart über das Köpfchen. „Halt durch, kleine Maus“, sagte sie. Dann stand sie auf, löschte das Licht und schloss von außen die Tür.
Eine Minute später ging die Tür wieder auf. Die Tierärztin holte einige Decken aus einem Schrank, breitete sie neben dem Katzenkorb auf dem Boden aus und setzte sich darauf. Dann wickelte sie sich in eine weitere Decke und legte sich neben das kranke Kätzchen. „Wenigstens sollst du nicht allein sein, du kleines Wunderkind“, sagte die Tierärztin. Sie legte den Kopf auf einen Arm und sah dem Kätzchen beim Atmen zu.
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