Kank

„Sie wird von einem Mann getragen“, sagte die Hündin.
„Was macht er mit ihr?!“ rief Liz voller Panik.
„Nichts, er ist sehr vorsichtig mit ihr“, beruhigte die Hündin sie.
„Ich kenne diese Straße“, murmelte sie vor sich hin. Dann jubelte sie auf: „Sie sind da, sie sind zu meinen Welpen gegangen! Jetzt setzt er Sherry auf den Boden und sie geht vor in das Dickicht hinter dem meine Welpen liegen!“ Die Hündin war glücklich.

Quinn strahlte und Liz setzte sich erleichtert hin. Nur Mose hatte noch Sorgenfalten auf der Stirn. „Wie geht es Sherry“, fragte er die Hündin und sah sie durchdringend an. Die Hündin zögerte. „Sie scheint etwas schwach zu sein“, sagte sie dann vorsichtig. Die Köpfe von Quinn und Liz ruckten herum. „Was heißt das, 'schwach'?“ fragte er streng. Die Hündin trat von einem Bein auf das andere. „Na ja, sie kann nicht mehr so gut laufen, deshalb hat der Mann sie getragen.“ Ein unwilliges Grollen ertönte in Quinns Kehle. „Das kann doch wohl nicht wahr sein!“ knurrte er. Liz fing schon wieder an zu schluchzen. Die Sorgenfalten auf Mose´s Stirn vertieften sich.

Als die Frau und der Mann aus der anderen Seite des Dickichts heraus traten, sahen sie sofort, wohin die kleine Katze sie hatte führen wollen. Die fünf mageren Welpen schauten verängstigt auf die Zweibeiner. Hätten sie nicht Sherry bei ihnen gesehen, wären sie geflohen, aber sie hatten ihr zwei Tage vertraut und vertrauten ihr auch jetzt.

„Du liebe Güte, die haben anscheinend ihre Mutter verloren. Sind ja völlig verhungert“, sagte die Frau und näherte sich vorsichtig den fünf Hundekindern. „Ich hole mal Hilfe“, antwortete der Mann und telefonierte. Die Welpen krabbelten derweil aufgeregt um die Frau herum, die sich zu ihnen gesetzt hatte. Sie wedelten und schleckten ihr das Gesicht. „Ist ja gut“, sagte die Frau lächelnd und streichelte die kleinen dürren Körperchen, „jetzt wird alles gut“.
Der Mann hörte auf zu telefonieren und ging hinunter zur Straße.

Kurze Zeit später hielt unten auf der Straße ein Auto an und der Mann brachte eine große Box an den Abhang. Vorsichtig setzten sie die Welpen einen nach dem anderen hinein. Die Welpen hatten Angst, aber in der Box lagen herrlich duftende Futterbrocken und sie konnten nicht widerstehen. Als sie alle gut verstaut waren, blickte sich der Mann suchend um. Dann lief er mit einem bestürzten Ausruf schnell zum Rand des Dickichts. Dort kniete er nieder und hob ganz sanft den schlaffen Körper des kleinen Kätzchens auf. Er hielt sein Ohr an ihr Köpfchen und barg es dann vorsichtig unter seiner Jacke.

„Das Kätzchen ist krank“, sagte er, „wir müssen es schnell zum Tierarzt bringen“. Der Frau standen Tränen in den Augen. „Sie hätte den langen Weg nicht mehr gehen dürfen“, schluchzte sie, „sie hat sich gestern bestimmt erkältet, als sie so nass war“.

Quinn, Mose und Liz saßen betrübt zusammen. Die Hündin stand unsicher etwas abseits. „Es tut mir leid“, sagte sie beschämt, „es tut mir leid, dass es eurer kleinen Katze jetzt so schlecht geht, weil sie meinen Welpen geholfen hat. Vielleicht, äh - vielleicht kann ich euch ja weiter helfen, falls sie, falls sie…“ Die Hündin geriet ins Stammeln.

„Schon gut“, sagte Mose freundlich zu ihr, „du kannst ja nichts dafür“.

„Was sollen wir jetzt machen?“ fragte Quinn. „Wir müssen ihr den richtigen Wunsch schicken.“
„Na, dass sie wieder gesund wird, ist doch klar“, sagte Liz.
„Und wenn sie es nicht mehr schafft?“ fragte Quinn.
„Was willst du damit sagen?“ Liz starrte Quinn an.

„Wir könnten auch wünschen, dass sie zu uns kommt“, sagte Quinn leise. „Ich würde ihr meinen Lieblingsstein zeigen“,
setzte er ein kleines bisschen sehnsüchtig hinzu.
„Nein“, sagte Liz entschieden, „sie ist viel zu jung für die Welle“.
Mose schaute Liz lange in die Augen. „Und wenn sie gesund wird, was soll dann mit ihr geschehen? Sie mag keine Gehege und Gitter“, sagte er.

„Wir könnten wünschen, dass sie dahin kommt, wo Figo ist“, antwortete Liz trotzig.

Quinn seufzte: „Zwischen wünschen und hexen ist aber auch noch ein Unterschied, meine liebe Liz“.
„Wir müssen uns irgendwie einig werden“, sagte Mose.

Die vier schauten sich ratlos an.

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