1. Teil: Wünschen ist nicht immer einfach
- 1: 1. Teil: Wünschen ist nicht immer einfach.
- 1.1: 1 - Liz.
- 1.2: 2 - Little Mose.
- 1.3: 3 - Big Quinn.
- 1.4: 4 - Hunger.
- 1.5: 5 - Erster Versuch.
- 1.6: 6 - Die Dose.
- 1.7: 7 - Die Rettung.
- 1.8: 8 - Sieben.
- 1.9: 9 - Sherry.
- 1.10: 10 - Unterwegs.
- 1.11: 11 - Figo.
- 1.12: 12 - Fieber.
- 1.13: 13 - Shelter.
- 1.14: 14 - Transport.
- 1.15: 15 - Abschied.
- 1.16: 16 - Spielgefährten.
- 1.17: 17 - Hilfe.
- 1.18: 18 - Regen.
- 1.19: 19 - Zurück.
- 1.20: 20 - Krank.
- 1.21: 21 - Besonders.
- 1.22: 22 - Morgen.
- 1.23: 23 - Bonny.
- 1.24: 24 - Der Stein.
- 2: 2. Teil: Freundschaft ist keine Frage der Zeit.
- 3: 3. Teil: Die Saphire.
Hilfe
Sherry stand mit peitschendem Schwanz vor der kleinen Bodenmulde, in der ihre fünf neuen Freunde lagen. Die Welpen hatten sich verzagt zusammengedrängt, als ihnen klar wurde, dass da etwas nicht stimmte, wenn ihre Mutter nicht wieder auftauchte. Sie hatten Hunger und sie fürchteten sich.
Sherry machte sich ihre eigenen Gedanken. So wie Liz würde auch die Hundemutter höchstwahrscheinlich nicht wiederkehren. Die Welpen konnten nicht für sich selbst sorgen. Sie kannten die Straße nicht und sie kannten die grünen Tüten nicht. Schon jetzt waren sie verdächtig dünn und Sherry fühlte sich lebhaft an ihre eigenen Geschwister erinnert. Sie war entschlossen, ihre fünf neuen Freunde nicht im Stich zu lassen.
Was konnte sie tun? Ihnen zeigen, wie sie Nahrung suchen sollten? Der Gedanke, dass fünf junge Hundekinder an der Straße entlang laufen sollten, gefiel ihr gar nicht. Außerdem hatten die Welpen Angst. Sherry selbst war viel zu klein, Futter für Hundewelpen heranzuschaffen. Sie würde wahrscheinlich bald schon Probleme damit bekommen, für sich selbst genug zu finden.
Sie kratzte sich nachdenklich hinter den Ohren. Diese Zweibeiner müssten her. Die Guten, die mit dem Futter und mit dem Auto. Aber von der Straße aus konnte man die Welpen nicht sehen. Und woran sollte sie erkennen, welche Zweibeiner die Guten sind? Trotzdem war das Wichtigste die Straße. Straße bedeutete Nahrung und Straße bedeutete die guten Zweibeiner.
Straße, dachte sie, Straße. Auf einmal fiel es ihr ein: Das rote Auto war die Straße entlang gekommen und es hatte vorher immer wieder angehalten und neue Hunde eingeladen. Hunde einladen taten nur die Guten, also musste die Straße zu den Guten führen.
Sherry holte tief Luft. Dann rief sie den Welpen zu, dass sie ihr zuhören sollten. „Ich kann euch Hilfe holen“, sagte sie, „ihr müsst nur versprechen, alle hier zu bleiben, damit ich euch wieder finde“.
„Holst du deinen Freund, den großen Hund?“ fragte eine Hündin hoffnungsvoll.
„Äh, ja so ähnlich“, antwortete Sherry. „Es kann etwas dauern“, setzte sie noch hinzu, „ihr müsst den Hunger so lange aushalten, Wasser habt ihr ja genug“.
Die Welpen nickten brav. Sie waren total eingeschüchtert und bewunderten diese seltsame kleine Katze. Sie waren entschlossen, genau das zu tun, was Sherry sagte.
„Okay, ich gehe jetzt“, sagte Sherry, „bleibt hier und wartet“. Damit hüpfte sie den Abhang hinunter und ins Dickicht. Als sie die Straße erreichte, schlug sie die Richtung ein, aus der das rote Auto gekommen war. Es konnte so weit nicht sein, das Auto war nach dem letzten Stopp nicht lange gefahren. Trotzdem beeilte sie sich. Die Welpen hatten schon fast zwei Tage nichts mehr gefressen.
Liz wischte sich mit dem weißen Pfötchen eine Träne der Rührung weg. „Ach was ist meine Kleine tapfer“, schniefte sie. Quinn nickte. „Sie ist großartig“, brummte er, „ich könnte sie so abschlecken!“
„Wir müssen jetzt gut auf sie aufpassen“, sagte Mose, „sie wird es schaffen, wenn wir ihr helfen“.
Sherry lief und lief und lief immer die Straße entlang. Sie hätte nie gedacht, dass es so weit sein würde. Ab und zu raste ein Auto an ihr vorbei. Jedes Mal meinte sie, noch rechtzeitig ins Gebüsch zu springen, aber die Autos waren immer viel schneller da, als sie mit ihnen rechnete. Wie konnte sich etwas so schnell bewegen, fragte sie sich.
Bei diesem Gedanken blieb sie mit einem Ruck stehen. Ach du liebe Güte! Daran hatte sie ja noch gar nicht gedacht. Wenn die Autos sich so schnell über die Straße bewegten, dann war das große rote Auto bestimmt auch so schnell gewesen. Viel, sehr viel schneller, als eine Katze laufen konnte. Und deshalb war die Entfernung zu dem Ort, wo die letzten Hunde eingeladen worden waren auch sehr viel weiter, als Sherry gedacht hatte. Ihr wurde mulmig. Was hatte sie da bloß für einen Unsinn angefangen?
Sherry konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, wie weit es etwa zu ihrem unbekannten Ziel sein mochte. Wie lange musste eine Katze laufen für die gleiche Strecke, die ein Auto zwischen der schrägen Sonne und der senkrechten Sonne fahren konnte? Einen halben Tag? Einen ganzen? Oder zwei Tage, oder viele Tage? Sherry wurde es ganz schwindelig vor lauter Nachdenken. Was sollte sie jetzt tun?
Der Mittag war schon vorbei und wenn sie umkehren würde, dann käme sie spät am Abend unverrichteter Dinge bei den Welpen an. Sie hätten dann immer noch Hunger und es gäbe keine Aussicht auf Nahrung. Nein, sie war jetzt einmal losgegangen und würde einfach weiter gehen. Irgendwann musste sie ja ankommen. Tapfer setzte sie sich wieder in Bewegung.
Der Nachmittag ging in den Abend über. Inzwischen gab es am Rand der Straße kein Gebüsch mehr und Sherry musste immer wieder große Strecken ohne Deckung laufen, was sie sehr nervös machte. Sie war mehr als müde und mehr als hungrig. Ihre Pfötchen waren wund und sie hätte sich zu gern ausgeruht. Wenn doch nur bald irgendetwas zu sehen wäre. Sie schaute angestrengt in der beginnenden Dämmerung nach vorne. Plötzlich blieb sie wie angewurzelt stehen. Vor ihr teilte sich die Straße! Aus einer Straße wurden zwei! Was war das denn jetzt wieder für ein verrücktes Menschending? Welche Straße sollte sie jetzt gehen? Über welche war das rote Auto gekommen? Sherry fing an zu zittern und - Figo hin, Figo her - sie verließ der Mut.
Das arme Kind“, seufzte Quinn, „sie bekommt es aber auch echt dicke“.
„Welche Straße ist denn die richtige?“ fragte Liz. „Vielleicht kann ich ihr etwas wünschen, dass sie die richtige Straße geht“.
„Warte“, sagte Mose, „ich schau mal, wohin die Straßen führen“. Er konzentrierte sich, schüttelte aber dann den Kopf. „Ich kann nichts mehr sehen, es ist dunkel geworden auf der Erde, die Nacht kommt.“ Quinn runzelte die Stirn. „Blödsinn“, brummte er, „bis jetzt konnten wir doch auch nachts immer alles sehen.“ Nun konzentrierte sich Quinn auf die kleine Sherry. Mose und Liz schauten ihn erwartungsvoll an. „Ach du Scheiße!“ sagte Quinn plötzlich, ohne sich zu regen. „Was ist los?“, rief Liz, die schon wieder fast in Panik war. Mose hibbelte unruhig mit seinem kleinen weißen Hintern hin und her.
Quinn öffnete die Augen und schaute die beiden an. „Wenn es nicht so wichtig wäre, wäre es fast schon wieder lustig. Anscheinend haben wir unsere kleine Sherry jetzt so lieb gewonnen, dass wir sie alle drei nicht mehr sehen können.“
„Oh nein!“ bellte Mose gedämpft. „Wie sollen wir ihr jetzt das Richtige wünschen, wenn wir sie nicht mehr sehen?“
„Einen Wunsch haben wir noch, von dem wir wissen, wofür sie ihn braucht“, sagte Quinn. „Sie muss irgendwie auf der richtigen von den beiden Straßen weiter gehen.“
„Und dann muss sie es ohne uns schaffen“, flüsterte Mose.
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