1. Teil: Wünschen ist nicht immer einfach
- 1: 1. Teil: Wünschen ist nicht immer einfach.
- 1.1: 1 - Liz.
- 1.2: 2 - Little Mose.
- 1.3: 3 - Big Quinn.
- 1.4: 4 - Hunger.
- 1.5: 5 - Erster Versuch.
- 1.6: 6 - Die Dose.
- 1.7: 7 - Die Rettung.
- 1.8: 8 - Sieben.
- 1.9: 9 - Sherry.
- 1.10: 10 - Unterwegs.
- 1.11: 11 - Figo.
- 1.12: 12 - Fieber.
- 1.13: 13 - Shelter.
- 1.14: 14 - Transport.
- 1.15: 15 - Abschied.
- 1.16: 16 - Spielgefährten.
- 1.17: 17 - Hilfe.
- 1.18: 18 - Regen.
- 1.19: 19 - Zurück.
- 1.20: 20 - Krank.
- 1.21: 21 - Besonders.
- 1.22: 22 - Morgen.
- 1.23: 23 - Bonny.
- 1.24: 24 - Der Stein.
- 2: 2. Teil: Freundschaft ist keine Frage der Zeit.
- 3: 3. Teil: Die Saphire.
Fieber
Der Morgen dämmerte. Sherry hatte viele Stunden geschlafen und wurde nun langsam wach. Ihr war warm, sehr warm. Es war richtig heiß. Verwundert öffnete sie die Augen. Alles war wie am Abend vorher. Warum war ihr so warm? Da spürte sie, dass es der Bauch von dem großen Hund war, der diese Hitze ausstrahlte. Sherry krabbelte zwischen den großen Pfoten hervor und lief zu Figos Kopf. Er schien zu schlafen und atmete schwer.
„Figo?“ fragte Sherry ihn. „Figo, wach auf, warum bist du so heiß?“ Sie stupste ihn mit den Pfoten an der Nase.
Figo öffnete langsam die Augen. Sie waren ganz rot. „Hey, kleine Sherry“, sagte er leise und hob mühsam den Kopf, um das Kätzchen anzusehen. „Hast du schön geschlafen?“
„Ja“, antwortete Sherry. „Figo, du bist ganz heiß, fehlt dir was?“
Figo antwortete nicht, er schien schon wieder eingeschlafen zu sein. Sherry war beunruhigt. Irgendetwas stimmte nicht mit ihm. Er roch auch irgendwie anders. Ihr kleines Herz begann zu klopfen. Sie wusste nicht, was sie tun sollte. Vorsichtig krabbelte sie auf Figos Rücken. Er sollte wenigstens spüren, dass sie bei ihm war.
„Da oben liegt der Nächste“, sagte die Frau und deutete durch die Windschutzscheibe den Hügel hinauf. „Ihm ging es letztes mal noch ganz gut, obwohl er nicht mehr der Jüngste ist.“
Auf der Hügelkuppe angekommen hielt das Auto an. Die Frau und der Mann stiegen aus, holten einen Sack Futter aus dem Auto und einen Kanister mit Wasser. Dann gingen sie um einige Büsche herum. Die Frau ging voraus. Plötzlich blieb sie abrupt stehen und bedeutete dem Mann hinter sich mit einer Geste, still stehen zu bleiben. „Das gibt es doch nicht!“ flüsterte sie. Der Mann kam mit ganz leisen Schritten näher und schaute der Frau über die Schulter.
Einige Meter weiter lag angebunden an einer Tonne der Kettenhund. Auf seinem Rücken saß ein ganz kleines Katzenkind und krallte sich ängstlich im zottigen Fell des Hundes fest.
Die beiden Menschen standen ganz still. Sehr, sehr langsam kniete sich die Frau hin. Sie streckte langsam eine Hand nach vorne und sagte leise: „Hey, Miezchen, komm, wir tun dir nichts.“
Der Klang der menschlichen Stimme schien das Kätzchen aus seiner ängstlichen Starre zu wecken und es raste blitzschnell in das nahe liegende Gestrüpp. „Die hat bestimmt noch nie einen Menschen gesehen“, sagte der Mann. Dann wandte er sich dem Kettenhund zu, der reglos auf dem Boden lag.
„Ist er tot?“ fragte die Frau besorgt. Beide knieten neben Figo nieder und streichelten sein raues Fell. „Nein, er lebt noch, aber ich glaube er hat ziemlich hohes Fieber.“
„Vor drei Tagen war er noch in Ordnung“, wunderte sich die Frau. Vorsichtig tastete sie Figos Körper ab. Dann drehte sie ihn sanft auf die andere Seite. „Oh Gott“, entfuhr es ihr, „auf den ist geschossen worden“.
„Jetzt reicht`s“, sagte der Mann mit nur mühsam unterdrückter Stimme, „den nehmen wir mit“.
„Mensch, das können wir nicht machen, das ist Diebstahl“, sagte die Frau.
„Dann kauf ich dem Kerl den Hund ab, ist mir egal, irgendwie mach ich dem das klar.“
„Na, dann auf deine Kappe“, sagte die Frau entschlossen und machte die schwere Kette von Figos Hals los. Klirrend fiel der große Karabiner zu Boden.
Vorsichtig hoben sie den Hund ins Auto und legten ihn auf eine weiche Decke.
„Und die kleine Katze?“ fragte der Mann. „Die können wir doch nicht hier lassen. Sie scheint irgendwie Freundschaft mit dem Hund geschlossen zu haben. Vielleicht ist sie hier irgendwo in der Nähe geboren worden.“ Sie schauten sich um. Unter dem Gebüsch saß immer noch das Katzenkind und verfolgte ihr Tun mit riesigen, ängstlichen Augen.
„Ich habe eine Idee“, sagte die Frau.
Sherry wusste nicht, was sie tun sollte. Anscheinend waren das die guten Zweibeiner, aber sie war sich nicht sicher. Erst hatte sie sich gefreut, als sie sah, dass die Menschen Figos Kette ab machten. Aber als sie ihn hochhoben und in das Auto legten hatte sie Angst. Sie wollte bei ihrem Freund bleiben. Sie wollte nicht wieder alleine sein.
Die Menschen legten Figo in das Auto. Aber sie machten es nicht zu und fuhren nicht weg. Sie verschwanden vorne im Auto und dann passierte nichts mehr. Sherry wartete bange. Gleich würden sie mit Figo abfahren. Ihr Herz hämmerte. Sollte sie hinrennen? Sie traute sich nicht. Das Auto blieb stehen. Die Zeit verging. Nichts rührte sich.
Sherry tat einen Schritt. Noch einen Schritt.
Flach auf den Boden geduckt schlich sie unter den schützenden Sträuchern entlang auf das Auto zu. Immer schneller wurden ihre Schritte. Sie hatte furchtbare Angst, aber noch viel schlimmer als alles was passieren könnte, wäre es, wenn sie hier im Niemandsland allein neben der leeren Kette bleiben müsste.
Mit einem Satz sprang sie hinten in das Auto. Da war Figo! Sie flüchtete zwischen seine großen Pranken, quetschte sich zwischen seine Vorderläufe und blieb dort zitternd sitzen. Was würde jetzt geschehen?
Da schlug die Autotür zu. Fast wäre Sherrys Herz stehen geblieben. Dann schaukelte es mächtig und sie sah oben aus dem Fenster, wie das Auto den Hügel hinunter fuhr.
Okay, jetzt gab es kein Zurück mehr. Sie war bei Figo, ihrem Freund, der immer noch vor Hitze glühte und zu schlafen schien. Ängstlich drückte sie sich an seine heiße, pelzige Brust.
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